„Die Menschen brauchen Zeit zum Umdenken“

Homosexualität
Homosexualität ist in Kenia ein Tabu – man muss es aufbrechen, braucht dazu aber Geduld, sagt ein anglikanischer Bischof aus dem Land. Dennoch könne die Kirche nicht die Türen vor Schwulen oder Lesben verschließen.

Bischof David Kodia von der Anglikanischen Kirche Kenia.

Repressionen gegen Homosexuelle machen aus mehreren Ländern Afrikas Schlagzeilen. Wie heikel das Thema ist, auch für Kirchen, erklärt Bischof David Kodia, Oberhaupt der anglikanischen Diözese Bondo am Viktoriasee in Kenia während seines Besuches in Deutschland. „Jeder weiß, dass es Homosexualität gibt. Das kommt überall vor, ganz besonders in den Gefängnissen, in Schulen, in der Armee, aber auch in der Kirche“, so der Bischof. Kulturell sei Homosexualität aber nach wie vor ein großes Tabu. Die kenianische Gesellschaft sei noch nicht so weit, Homosexualität zu akzeptieren. „Selbst ein Bischof kann da nicht viel tun“, sagt er und erzählt von einem Priester, dessen Homosexualität bekannt wurde. „Seine Gemeinde hat ihn davongejagt, und der Bischof entließ ihn aus dem Dienst. Vor dem Arbeitsgericht bekam der Priester aber Recht und musste wieder eingestellt werden.“ Die neue Gemeinde habe ihn aber auch davongejagt. 

Für Bischof Kodia ist dies ein gutes Beispiel dafür, dass Lösungen, die auf der institutionellen oder legislativen Ebene wie in Europa angelegt sind, in Kenia nicht funktionieren könnten, weil das Tabu noch zu groß sei. „Wenn wir als Kirche anfangen würden, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen, könnten wir dicht machen“, sagt der Bischof. Gleichzeitig könne die Kirche nicht die Türen vor Schwulen oder Lesben verschließen. Er halte aber nichts davon, zu viel Druck von oben oder von außen bei einem so sensiblen Thema auszuüben. Das führe am Ende nur zur Spaltung. 

Gegen Polygamie hat sich Zwang nicht bewährt

Die anglikanische Kirche in Kenia hat diese Erfahrung bei einem anderen sensiblen Thema, der Polygamie, gemacht. Gesetzlich ist Polygamie in Kenia erlaubt. Die Kirche aber kennt nur die Monogamie. Ende der 1950er Jahre hatten sich innerhalb der anglikanischen Kirche zwei Strömungen gebildet. Die einen fanden, dass polygam lebende Menschen genauso ein Recht haben, Mitglied der Kirche zu sein. Die anderen zwangen sie, sich für eine Frau zu entscheiden, wenn sie weiter in der Kirche bleiben wollten. Aus dieser Bewegung ist 1958 die Church of Christ hervorgegangen. „Da sind Familien kaputt gegangen, und das Leid der Kinder aus solchen Beziehungen hat man einfach so in Kauf genommen“, sagt Kodia. „Wenn wir nun bei der Frage der Homosexualität genauso rigoros vorgehen, kann es zur nächsten Spaltung kommen.“

Er sei sicher, dass eine Zeit kommen werde, wo Homosexualität kein Tabu mehr ist. „Die Menschen brauchen Zeit, damit sie umdenken können.“ Das sei wie bei einer festsitzenden Schraube. Wenn man sie mit Gewalt löse, zerbreche sie. Wenn man aber Öl draufgebe, das Gewinde schmiere und immer wieder versuche, dass sich die Schraube löse, könne es klappen. „Ich selbst habe diese Erfahrung gemacht durch einen Bischofskollegen aus England, der mir sagte, dass er auf der Seite der Homosexuellen stehe. Ich konnte das erst gar nicht nachvollziehen. Aber er erzählte mir, dass sein Sohn schwul sei und dass es für ihn anfangs auch schwer war, das zu akzeptieren. Die Alternative wäre aber gewesen, dass er seinen Sohn verliert.“ Solche Begegnungen seien das Öl, damit sich etwas lösen könne und die Menschen ihre Einstellung änderten.

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Steter Trophfen hölt den Stein. Jeder Schritt in Richtung Normalität ist gut. je mehr Menschen (AUCH in der Kirche) hinter Schwulen und Lesben stehen, umso leichter wird es in der Gesellschaft akzeptiert. Je mehr Präsenz gezeigt wird, je mehr darüber gesprochen wird, umso besser. Je mehr gleichgeschlechtliche Paare in den Medien present sind und sich outen, umso mehr Vorbilder kann es geben.
Ziel muss es sein diffuse Ängste zu nehmen und alle Menschen so zu akzeptieren wie sie sind. Egal wen sie lieben!
Viel Erfolg Kenya! Viel Erfolg Afrika!

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