Spöttischer Blick auf die Welt

Helge Timmerberg
African Queen. Ein Abenteuer
Rowohlt Berlin, Berlin 2012,
301 Seiten, 19,95 Euro


Der Weltenbummler Helge Timmerberg beschwört in seinem Afrika-Buch das Reisen als einen Weg, mit dem Alter fertig zu werden, und denkt grundsätzlich über die Liebe nach. Das ist streckenweise sehr unterhaltsam, hat aber auch seine Längen.

Timmerberg geht Afrika eigentlich „am Arsch vorbei“, wie er zugibt. Da seine Freundin aber am Lake Malawi in einer Touristen-Lodge arbeiten will, fliegt er mit nach Malawi. Die Reise nutzt er, um ein lustiges Buch zu schreiben, gespeist aus Beobachtungen, Anekdoten und seiner Offenheit für Zauber und Spiritualität. Malawi, Burkina Faso, Senegal, Tansania, Kenia, Uganda, Ägypten sind die Stationen. Nicht alle hätte er in sein Buch aufnehmen müssen. Timmerberg beschreibt die Menschen mit Sympathie und etwas spöttisch zugleich. Servile Hotelangestellte, grimmige Grenzbeamte, angebliche UN-Mitarbeiter, die sich als Touristen-Falle entlarven, ein Marabout, der sich mit Voodoo auskennt: Der Autor macht sich gekonnt über sprachliche Eigenheiten lustig, er vertraut und misstraut zugleich, er lässt sich ein und besteht amüsante Abenteuer. Er muss den Reisepass seiner Freundin wiederfinden, den Lake Malawi in einem Paddelboot überqueren, einen Fluch loswerden und später die Malaria. Immer wieder denkt Timmerberg über seine Beziehung und die Liebe an sich nach, über die Chancen, das Auf und Ab, und die Kunst, die Anziehungskraft zu erhalten.

Timmerberg ist 60 Jahre alt, er schreibt witzig, entspannt und bemerkenswerterweise frei von vermeintlicher Altersklugheit. Scheinbar ohne Mühe fl icht er kurzweilige Hintergründe ein zur alten Fähre auf dem Lake Malawi, zu Livingstone oder zu den Stärken und Schwächen der Krokodile, vor denen er sich fürchtet. Er selbst steht dabei stets im Mittelpunkt. Über die meisten Afrikaner, die ihm begegnen, erfährt man fast nichts. Das ist schade, denn das Kurzportrait eines Wachmanns aus Nairobi zeigt, wie verrückt und spannend die Lebenswege sein können. Dennoch sind zwei Drittel des Buchs sehr unterhaltsam.

Dann begibt sich Timmerberg mit seiner Freundin auf eine sehr gewöhnliche Reise: Sansibar, Serengeti, drei Hauptstädte. Auch diese Stationen sind stellenweise amüsant, aber eben recht bekannt. Am Ende beschwört das Buch das Reisen, Sehen, Riechen, Erleben als einen Weg, mit dem Alter fertig zu werden. Der Tahrir-Platz taucht auch auf, aber kein Wort zur Protestbewegung. Das überlässt der Autor den anderen Medien – eine gute Entscheidung.


Felix Ehring

 

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