Kirchen sollen ihre Marktmacht nutzen

Für bis zu 80 Milliarden Euro kaufen die Kirchen in Deutschland jedes Jahr Waren und Dienstleistungen. Nur ein geringer Teil davon wird „fair“ eingekauft. Evangelische und katholische Hilfswerke wollen das ändern.

Seit Jahren fordern Hilfswerke, dass Gemeinden und kirchliche Einrichtungen fair gehandelte und ökologisch produzierte Lebensmittel einkaufen. Ihre Appelle sind bisher allerdings vielfach verhallt, wie eine Studie von „Brot für die Welt“ und dem Evangelischen Entwicklungsdienst für den evangelischen Bereich Ende 2011 gezeigt hat (siehe weltsichten 12/2011). Demnach blieben kirchliche Einrichtungen wie Krankenhäuser, Akademien, Tagungsstätten oder Kindergärten in ihrem Einkaufsverhalten weit hinter dem zurück, was sozial und ökologisch für eine zukunftsfähige Kirche und eine gerechtere Weltwirtschaft notwendig wäre. Nicht einmal zehn Prozent der in evangelischen Kirchen und diakonischen Einrichtungen verwendeten Produkte würden nach sozialverantwortlichen Kriterien eingekauft.

Autorin

Katja Dorothea Buck

ist Religionswissen- schaftlerin und Journalistin in Tübingen.

Das muss sich ändern, finden die Christliche Initiative Romero, Misereor, Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst sowie das Projekt „Zukunft einkaufen – Glaubwürdig Wirtschaften in den Kirchen“. Mit ihrer gemeinsamen Kampagne wollen sie den Kirchen helfen, ihre Markmacht besser zu nutzen und mit Werten wie Solidarität, Gerechtigkeit und Nächstenliebe in Einklang zu bringen. Nach Schätzungen der Initiatoren kaufen evangelische und katholische Einrichtungen jedes Jahr Waren und Dienstleistungen im Wert von 40 bis 80 Milliarden Euro. „Würde diese Summe gezielt sozialverantwortlich eingesetzt, könnte sie einen wichtigen Beitrag zur Einhaltung globaler Arbeits- und Menschenrechte sowie zum Klima- und Umweltschutz leisten“, heißt es in einer Erklärung zum Start der Kampagne. Die Hilfswerke bringen ihre jeweilige Expertise in die Kampagne ein. Brot für die Welt und Evangelischer Entwicklungsdienst hatten sich in den vergangenen Jahren auf das Konsumgut Kaffee spezialisiert; die Christliche Initiative Romero ist im Bereich Kleidung besonders erfahren. Material der Kampagne kann bei den Hilfswerken angefordert oder im Internet heruntergeladen werden. Eine 32-seitige Werkmappe mit dem Titel „Wie fair kauft meine Kirche?“ gibt es bei der Christlichen Initiative Romero. Sie enthält Informationen über die Arbeitsbedingungen bei der Herstellung von Produkten wie Kaffee oder Schokolade, Arbeitskleidung oder Informationstechnologie und zeigt Alternativen auf.

erschienen in Ausgabe 4 / 2013: Wasser

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