Ein klares Signal an die Mörder ist gefragt

Der Hass gegen Homosexuelle und Transsexuelle nimmt in Mittelamerika erschreckende Ausmaße an.

In einem offenen Brief haben 84 Mitglieder des US-Kongresses Außenministerin Hillary Clinton gebeten, Druck auf die honduranische Regierung auszuüben, damit diese die Morde an Schwulen, Lesben und Transsexuellen in dem mittelamerikanischem Land aufklärt. Die Außenministerin sollte dem Vorstoß der Abgeordneten folgen. Um Menschen zu schützen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt werden, müssen die USA und die internationale Gemeinschaft noch deutlicher werden.

Die Abgeordneten nehmen Bezug auf einen Bericht des US-Außenministeriums. Darin werden honduranische Sicherheitskräfte mit Menschenrechtsverletzungen gegen Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle in Verbindung gebracht. Mindestens 75 von ihnen wurden laut einem Bericht der Organisation Catrachas zwischen September 2008 und März 2012 in Honduras ermordet. Die Übergriffe sind vor allem nach dem Putsch gegen Präsident José Manuel Zelaya 2009 stark gestiegen. Zeugen und Opfer beschuldigten Polizisten und Militärs, entweder für einzelne Mord- und Gewalttaten verantwortlich zu sein oder die Täter zu decken.

Da die Morde bisher nicht aufgeklärt wurden, ist unklar, warum sie nach dem Putsch zugenommen haben. Doch der Hass auf Schwule und Transsexuelle scheint in dem vom Machismo geprägten Milieu, aus dem viele Polizisten stammen, stark verankert zu sein. Da nicht wenige der Opfer Aktivisten sind, die öffentlich auf die Gewalttaten hingewiesen hatten, könnten auch politische Motive eine Rolle spielen.

Am Tag der Menschenrechte 2011 hat Hillary Clinton sich das Ziel gesetzt, stärker für die Rechte von Homo- und Transsexuellen im Ausland einzutreten. Zu Honduras pflegen die USA enge Beziehungen: Sie – ebenso wie die Europäische Union – geben dessen Sicherheitskräften Ausstattungs- und Ausbildungshilfe. Kritiker monieren, damit werde genau der Sektor unterstützt, der für zahlreiche Menschenrechtsverletzungen verantwortlich gemacht wird. Die UN und die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte haben die honduranischen Behörden aufgefordert, die Täter zu bestrafen. Gemeinsam mit ihnen sollten die USA die honduranische Regierung drängen, eine internationale Polizeikommission zuzulassen, die bei der Aufklärung der Morde hilft und Sensibilisierungsmaßnahmen für das Sicherheitspersonal einrichtet.

Ein weiteres wichtiges Signal wäre es, den Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Gesinnung verfolgt werden, politisches Asyl anzubieten. So könnten die USA gleichzeitig Druck auf andere lateinamerikanische Staaten wie Brasilien und Kolumbien ausüben, wo die Gewalt gegen Schwule und Transsexuelle ebenfalls zunimmt. (saw)

erschienen in Ausgabe 9 / 2012: Südliches Afrika: Wohlstand nur für wenige

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