Nur mit dem Segen des Papstes

Der Vatikan verstärkt die Kontrolle über Caritas Internationalis, den in Rom sitzenden Dachverband der nationalen Caritasverbände. Ein Dekret von Anfang Mai räumt dem Papst mehr Einfluss auf inhaltliche und personalpolitische Entscheidungen ein.

Das Dekret legt fest, dass Caritas Internationalis künftig alle Dokumente mit lehrmäßiger oder moralischer Zielrichtung dem päpstlichen Rat „Cor Unum“ zur Genehmigung vorlegen muss. Der 1971 geschaffene Rat koordiniert unter anderem die globalen karitativen Aktivitäten der katholischen Kirche und ihrer Organisationen und ist für die humanitäre Hilfe des Vatikan zuständig.

Autorin

Katja Dorothea Buck

ist Religionswissen- schaftlerin und Journalistin in Tübingen.

Ferner wird es personalpolitische Veränderungen geben: Drei der sieben Mitglieder im Exekutiv-Ausschuss werden künftig vom Papst ernannt und nicht mehr wie bisher von den Landesverbänden gewählt. Diese dürfen dann nur noch über einen Sitz in dem Ausschuss entscheiden, da die Posten des Generalsekretärs, seines Stellvertreters und des Schatzmeisters auch nur mit päpstlichem Einverständnis besetzt werden dürfen. Sie gehören dem Ausschuss ebenfalls an.

Caritas Internationalis wurde bereits 2004 zur Stärkung der katholischen Identität dem Rat „Cor Unum“ kirchenrechtlich zugeordnet und damit offiziell zu einer päpstlichen Einrichtung. Das Dekret kann als Teil dieser Neuordnung verstanden werden, aber auch als weiterer Schritt des Vatikans, mehr Einfluss auf Personalentscheidungen bei Caritas Internationalis zu bekommen. Vor einem Jahr hatte Papst Benedikt XVI. seine Machtbefugnis schon einmal deutlich gemacht, als er Lesley-Anne Knight, die das Amt der Generalsekretärin fünf Jahre innehatte, das sogenannte „nihil obstat“, die päpstliche Unbedenklichkeitsbescheinigung, verweigerte. Bei den Landesverbänden löste das großes Unverständnis aus.

Der deutsche Zweig in Freiburg, Caritas international, hält sich dazu bislang bedeckt. Man wolle zunächst eine offizielle Ankündigung bei der Versammlung der nationalen Caritas-Verbände in Rom abwarten, heißt es dort. Andere Landesverbände sind weniger zurückhaltend, wobei die Meinungen deutlich auseinandergehen. Während man bei Caritas in Frankreich von einer päpstlichen Übernahme spricht, geht der Landesverband in Österreich davon aus, dass der Beschluss keinerlei Auswirkungen auf die operative Katastrophenhilfe haben werde und die Eigenständigkeit der Landesverbände bestehen bleibe.

Caritas Internationalis leistet die klassische Arbeit eines Dachverbandes und betätigt sich im Bereich der Katastrophenhilfe allenfalls koordinierend. Dem entspricht ein relativ geringes Gesamtbudget von vier Millionen Euro im Jahr. Zum Vergleich: Caritas international Deutschland hatte 2011 einen Umsatz von 61,7 Millionen Euro.

erschienen in Ausgabe 6 / 2012: Holz: Sägen am eigenen Ast

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