Der Schöpfungsauftrag spricht dagegen

Biopatente und christlicher Glaube passen nicht zusammen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die Anfang September unter dem Titel „Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist“ vorgestellt wurde. Die EKD fordert darin den freiwilligen Verzicht auf Biopatente und mischt sich damit in eine europaweite Debatte ein.

Für die Studie hat sich die Kammer für nachhaltige Entwicklung der EKD vor allem unter den Gesichtspunkten Schöpfungsgerechtigkeit, Recht auf Nahrung und Schutz traditionellen Wissens mit Biopatenten auseinandergesetzt. „Bei dem Thema geht es um weitreichende ethisch-moralische Entscheidungen“, sagte Präses Nikolaus Schneider, der Vorsitzende des Rates der EKD, bei der Vorstellung der Studie in Berlin. Neben sozio-ökonomischen und ökologischen Fragen gehe es auch um grundsätzliche Gerechtigkeitsfragen. „Wenn zum Beispiel Saatgut patentiert wird, droht eine Monopolisierung der Nahrungsgrundlagen“, sagte Schneider.

Im christlichen Schöpfungsauftrag, der den Menschen auffordert, die Gaben der Schöpfung so zu bewahren und zu nutzen, dass sie allen zugutekommen, sehen die Autorinnen und Autoren der Studie das Hauptargument gegen Biopatente. Sie kommen zu dem Schluss, dass es aus christlicher Perspektive angemessen wäre, freiwillig auf die Patentierung biotechnischer Erfindungen zu verzichten.

iowissenschaftliche Innovationen wie zum Beispiel die Entschlüsselung von Genomen sollten freigegeben werden. Die Studie kritisiert, dass der Schutz traditionellen Wissens durch Biopatentierung aufgehoben und die biologische Vielfalt nicht mehr als globales Gemeingut verstanden würden. Indigene Völker müssten deswegen die Möglichkeit haben, juristisch gegen die Patentierung von biowissenschaftlichen Erfindungen vorzugehen, bei denen ihre genetischen Ressourcen und ihr traditionelles Wissen eine Rolle gespielt haben.

Mit ihrer Studie schaltet sich die EKD als eine der ersten europäischen Amtskirchen in eine EU-weite Debatte ein. Das EU-Parlament diskutiert derzeit die Einführung eines Europäischen Einheitspatents. Kritiker befürchten, dass das die Tendenz zur Monopolisierung von Saatgut und Züchtungsverfahren verstärken könnte. Mitte September wurde in Straßburg eine Petition gegen Patente auf Pflanzen und Tiere eingereicht, die 70.000 EU-Bürger unterschrieben hatten.
 


Zusatzinformationen: 

Die Studie ist als Nummer 115 in der Reihe EKD-Texte veröffentlicht worden und kann auf www.ekd.de/EKD-Texte/2059.html heruntergeladen werden.

erschienen in Ausgabe 10 / 2012: Spuren des Terrors

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