Somalia: Gewalt ist Alltag


(14.02.2014) Jede dritte Frau wird im Laufe ihres Lebens ein Opfer von Gewalt – darauf macht die Aktion "One Billion Rising" am heutigen Valentinstag aufmerksam. In Somalia dürfte diese Zahl weitaus höher sein. „Hier ist Vergewaltigung normal“, sagen Frauen in einem neuen Bericht von Human Rights Watch (HRW).

Die Menschenrechtsorganisation will mit ihrem Bericht auf das hohe Ausmaß von Gewalt aufmerksam machen, dem Frauen und Mädchen in dem Land am Horn von Afrika ausgesetzt sind. „Sie leben ein ständiger Furcht davor, vergewaltigt zu werden“, sagt die Frauenrechtsaktivistin Lisl Gernholtz. „Die somalische Regierung hat ihre Zusagen bislang nicht erfüllt, Frauen besser zu schützen und Gewaltopfern zu helfen.“

Für den Bericht hat die Organisation 27 Frauen befragt, die eine Vergewaltigung überlebt haben. Manche von ihnen wurden mehrmals überfallen oder von mehreren Männern gequält. Unter den Tätern sind laut HRW auch Angehörige der staatlichen Sicherheitskräfte.

Opfer trauen dem Justizsystem und der Polizei nicht

Alle Überfälle fanden in der Region Benadir statt, in der auch die Hauptstadt Mogadischu liegt. Sie ist weitgehend unter der Kontrolle der somalischen Regierung, und es wurden Anstrengungen unternommen, die politischen und juristischen Institutionen sowie die medizinischen Dienste zu verbessern.

Dennoch wurden laut den Vereinten Nationen allein in Mogadischu in den ersten sechs Monaten des Jahres 2013 rund 800 Frauen und Mädchen vergewaltigt, ein Drittel von ihnen sind jünger als 18 Jahre. Die tatsächliche Zahl dürfte jedoch weit darüber liegen, denn viele Opfer zeigten die Vergewaltigungen nicht an, weil sie dem Justizsystem und der Polizei nicht vertrauten, so der Bericht.

Die Täter lassen sich Zeit und fürchten keine Verfolgung

Sie würden damit doppelt zu Opfern gemacht – zunächst durch die Gewalt und dann durch die ineffektive Justiz und den Mangel an sozialer und medizinischer Unterstützung. Sexuelle Gewalt werde nicht verfolgt, die Täter könnten damit rechnen, ohne Strafe davonzukommen, wird in dem Bericht beklagt.

„Die Männer haben sich nicht beeilt“, erzählt eine der befragten Frauen, die in einem Lager für Vertriebene vergewaltigt wurde. „Einer von ihnen sagte: Du kannst jedem erzählen, dass wir das getan haben, wir fürchten uns nicht.“ (gka)

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