Papua fordern 2012 in Yogyakarta, West-Papua als unabhängigen Staat anzuerkennen

Indonesiens ungeliebte Provinzen

Im westlichen Teil von Neuguinea kämpfen die Papua seit Jahrzehnten um ihre Unabhängigkeit von Indonesien. Doch die Regierung in Jakarta will unter allen Umständen an dem Gebiet festhalten – wegen der Bodenschätze.

Sie wollten ihre Kultur feiern – und zu deren Erhalt aufrufen: Mehrere Hundert Studenten zogen im Februar singend und tanzend durch die Straßen von Jayapura, der Hauptstadt der indonesischen Provinz Papua. Nach zwei Stunden war die friedliche und bunte Demonstration zu Ende. Schwer bewaffnete Polizisten trieben die jungen Leute auseinander. Eine Kultur der Papua gebe es gar nicht in Indonesien, begründete der stellvertretende Polizeichef der Stadt, Kiki Kurnia, laut dem Onlineportal „westpapuamedia.info“ den Einsatz. Er untersagte den Studenten, ihre kulturellen Traditionen weiter zur Schau zu stellen.

Autorin

Gesine Kauffmann

ist Redakteurin bei "welt-sichten".

Zwar wurde in diesem Fall niemand verletzt oder festgenommen. Doch das Vorgehen der Polizei sagt einiges über das schwierige Verhältnis des Staates Indonesien zu den indigenen Einwohnern seiner beiden Provinzen Papua und West-Papua. Zusammen bilden sie den westlichen Teil der Insel Neuguinea; sie verfügen über einen autonomen Sonderstatus.

Der Konflikt reicht zurück bis in die 1950er Jahre. Die Niederlande als Kolonialmacht strebten damals an, West-Neuguinea bis 1970 in die Unabhängigkeit zu führen. Als Übergangsregierung wählten die Papua 1961 den Neuguinearat. Doch Indonesien, das bereits 1949 unabhängig geworden war, meldete Ansprüche auf die rohstoffreiche Region an und sicherte sich den Rückhalt der internationalen Gemeinschaft.

Schließlich wurde auf Drängen der USA im August 1962 das sogenannte New Yorker Abkommen geschlossen, mit dem West-Neuguinea unter indonesische Herrschaft gestellt wurde. Die Papua hatten keine Mitsprachemöglichkeiten. Sieben Jahre später sollten sie in einem in dem Abkommen festgelegten Referendum (Act of Free Choice) entscheiden dürfen, ob sie lieber in einem eigenen Staat leben wollten.

Schätzungen zufolge sind bis zu 100.000 indigene Papua getötet worden

Die indonesische Regierung hatte inzwischen erkannt, welche Schätze an Edelmetallen, Erdöl, Erdgas und Holz in der Region schlummerten, und ihre militärische Präsenz enorm verstärkt. Die Abstimmung wurde manipuliert: Handverlesene und bestochene Wahlmänner votierten für den Verbleib bei Indonesien. Die Papua verlangen bis heute, dass dieses dunkle Kapitel ihrer Vergangenheit aufgearbeitet wird. Ihr Kampf um Unabhängigkeit dauert an – wobei der Widerstand gegen die indonesische Staatsmacht zersplittert ist.

Schätzungen zufolge sind in den vergangenen Jahrzehnten bis zu 100.000 indigene Papua von indonesischem Militär und Sicherheitskräften getötet worden. Im Zuge der sogenannten Transmigrasi-Politik, mit der die Regierung in Jakarta von 1969 bis Mitte 1998 Menschen von der dicht bevölkerten Hauptinsel Java auf weniger bevölkerte Inseln umsiedelte, kamen etwa 800.000 Indonesier nach Papua. Inzwischen stellen die indigenen Papua weniger als die Hälfte der dortigen Bevölkerung, die rund drei Millionen Einwohner zählt.

erschienen in Ausgabe 4 / 2014: Indonesien: Von Islam und Demokratie

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