„Dies ist kein Religionskrieg“

Im Konflikt in der Zentralafrikanischen Republik wird die Religion von der Politik instrumentalisiert. Mit diesen Worten haben sich die Religionsführer aus dem Land in Berlin gegen das Bild eines unwiederbringlich gespaltenen Volkes gewandt.

Die drei Geistlichen – Erzbischof Dieudonné Nzapalainga, Vorsitzender der Zentralafrikanischen Bischofskonferenz, Imam Omar Kobine Layama, Präsident des islamischen Rates, und Pastor Nicolas Guérékoyame-Gbangou, Präsident der Evangelischen Allianz des Landes – trafen Ende März mit Entwicklungsminister Gerd Müller, Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und einem Vertreter des Auswärtigen Amtes zusammen. „Wir bedauern, dass unsere Gläubigen sich für die Ziele der Politik einspannen lassen“, sagte der Erzbischof. „Wir haben das nicht autorisiert.“ Nicht alle Muslime seien Séléka, und nicht alle Christen seien Anti-Balaka.

Marodierende Banden, die sich Anti-Balaka nennen, haben aus der Hauptstadt Bangui mit brutaler Gewalt schon fast die gesamte muslimische Bevölkerung vertrieben. Ihr Aufstand richtet sich gegen eine Koalition dreier muslimischer Rebellengruppen aus dem Norden, die Séléka, die vor einem Jahr den inzwischen entmachteten Präsidenten Michel Djotodia installiert hatte. Seit dem Sturz Djotodias betreiben die Anti-Balaka eine anti-muslimische Hetzjagd im ganzen Land.

Rund 6000 Soldaten der Afrikanischen Union und 2000 französische Soldaten versuchen zumindest in der Hauptstadt das Chaos einzudämmen – bisher vergeblich. Europäische Soldaten sollen helfen. Am Tag vor ihrer offiziellen Entsendung plädierten die Religionsführer eindringlich dafür, der EU-Truppe ein robustes Mandat zu geben. Nur wenn die knapp 1000 Soldaten mit Einsatzregeln ausgestattet würden, die ein „effizientes“ Vorgehen erlauben, könnten sie „einen Unterschied machen“, sagte Pastor Gbangou.

Sonst werde das Morden unter den Augen der Interventionstruppen weitergehen. Die Mission Eufor RCA soll vor allem auf dem Flughafen der Hauptstadt Bangui und in der Stadt selbst Gesetz und Ordnung wiederherstellen. Später soll eine UN-Blauhelmmission das Land stabilisieren.

Die Religionsführer fordern ein Ende der Straffreiheit

Die Religionsvertreter versicherten, sie wollten erreichen, dass Muslime und Christen wieder friedlich nebeneinander leben können. „Wir wollen die Menschen für einen Dialog an der Basis sensibilisieren“, sagte Imam Layama. In jedem Dorf, in den Präfekturen, landesweit, sollten die Menschen zusammenkommen, um die Gräueltaten aufzuarbeiten und Schuldige ausfindig zu machen.

Das sei der Anfang einer Heilung, fügte der Erzbischof hinzu. Sobald der Rechtsstaat wieder hergestellt sei, müsse die ausufernde Straffreiheit ein Ende finden. Erst komme die Wahrheit, dann die Justiz, und dann könne die Versöhnung beginnen. Ihren frommen Wunsch tragen die Religionsführer mit großer Aufrichtigkeit und Überzeugung vor. Aber wenn das Land praktisch geteilt ist und aus vielen Gemeinden alle muslimischen Bewohner verschwunden sind – tot oder vertrieben –, werden sie auch dafür Hilfe von außen brauchen.

Marina Zapf

erschienen in Ausgabe 5 / 2014: Durchlass hier, Mauer dort

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