Fairer Handel in der Moschee

(9.05.2014) Der faire Handel in Deutschland hat vor allem christliche Wurzeln. In Frankfurt bringen eine Moscheegemeinde und ein Weltladen Islam und Fairtrade stärker zusammen.

Andreas Herrmann im Infoladen des Frankfurter Moscheevereins.Sebastian Drescher

Mit einem freundlichen „Assalamu aleykum, hallo“ wird man im Gemeindeladen nahe des Frankfurter Hauptbahnhofs begrüßt. In den Regalen stehen Gebetsbände, Koranausgaben, Bücher über Islamfeindlichkeit, das muslimische Leben in Deutschland – und eine Reihe fair gehandelter Produkte. „Die Leute kommen, um sich über den Islam zu informieren, um  einzukaufen, oder auch beides“, erzählt Andreas Herrmann, der den Infoladen des Vereins Islamische Informations- und Serviceleistungen (IIS) leitet. Der Verein ist die erste Moscheegemeinde Deutschlands, die sich für den fairen Handel geöffnet hat.

Das Prinzip des fairen Handels sei zutiefst islamisch, erklärt Herrmann. Gerechtigkeit und das Gebot, Menschen zu helfen, seien auch Grundsätze des Islam. Mit dem Verkauf der Produkte wolle man einen Dialog über die Problematik anstoßen und zeigen, „wir sind eine Marktmacht und können etwas ändern“, sagt Herrmann, dessen deutschsprachige Gemeinde vor allem bei jungen Leuten und Studenten Zulauf findet.

Dieses Potential erkannte auch Stefan Diefenbach, Geschäftsführer beim Weltladen in Frankfurter Stadtteil Bornheim. Aufgebaut wurde Fairtrade in Deutschland einst von christlichen Institutionen und Hilfswerken, viele Kirchengemeinden gehören heute zu den Abnehmern. Anders in Herstellerländern wie Bangladesch oder dem Libanon: Dort seien viele Produzenten in muslimisch geprägten Kooperativen organisiert, sagt Diefenbach: „International ist die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Religionen völlig normal.“ Das könnte auch in Deutschland funktionieren, dachte Diefenbach und fand 2011 mit der Moscheegemeinde den ersten muslimischen Partner.

Ein Schokoriegel nach dem Freitagsgebet

Seitdem versorgt der Weltladen den IIS mit fairer Ware. Seife aus Syrien, Datteln aus Tunesien, Olivenöl aus Palästina: Die Etiketten schaffen Anknüpfungspunkte, wollen zur Solidarität mit  den Glaubensschwestern und -Brüdern einladen. Das habe am Anfang geholfen, sagt Herrmann, spiele inzwischen aber kaum noch eine Rolle. Beliebt seien vor allem süße Snacks, etwa die Schokoriegel aus Peru. Am meisten los ist immer nach den Freitagsgebeten, bei denen bis zu 500 Gläubige die Moschee  nebenan besuchen. Das Angebot komme besser an als gedacht, sagt Hermann. Auch wenn manche am Nutzen des Siegels zweifelten.

Für Herrmann geht es vor allem um die Gespräche – gerade auch mit Andersgläubigen. Bei gemeinsamen Diskussionsrunden oder einem interreligiösen Fairtrade-Frühstück könnten auch kulturelle Vorurteile abgebaut werden. Vereinzelte Kritik, dass die Gemeinde den fairen Handel für ihre Zwecke instrumentalisiere, hält er für bedauerlich und unsinnig. Das Engagement drücke eine innere Überzeugung aus und nicht die Absicht, anderen etwas aufzudrängen.

Dass der ISS als bislang einzige deutsche Moscheegemeinde beim fairen Handel mitmischt, erklärt Herrmann mit den oft geringen Ressourcen. Viele Gemeinden arbeiteten ehrenamtlich und seien mit anderen Dingen ausgelastet. Teilweise sei aber das Thema auch einfach nicht präsent. Das wollen die Gemeinde und der Frankfurter Weltladen mit einer neuen Broschüre zu „Fair Trade und Islam“ ändern. Die soll muslimische Organisationen über den fairen Handel informieren und andere Weltläden dazu anregen, nicht nur auf christliche, sondern auch auf muslimische Gemeinden offen zuzugehen.

erschienen in Ausgabe 6 / 2014: Tschad: Langer Kampf um Gerechtigkeit

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