Nachhaltiges Palmöl: Mehr Anspruch als Wirklichkeit

(21.05.2014) Der „Runde Tisch für nachhaltiges Palmöl“ (RSPO) will sich für eine umwelt- und sozialverträgliche Produktion des begehrten Rohstoffs einsetzen. Er ist wiederholt als wirkungslos kritisiert worden. Eine neue Studie betätigt die Kritik.

Ab Ende dieses Jahres muss in der Europäischen Union Palmöl in Nahrungsmitteln gekennzeichnet werden. Die Nachfrage nach nachhaltigem Palmöl werde damit voraussichtlich steigen, sagte die Ernährungsexpertin von Brot für die Welt, Carolin Callenius, bei der Vorstellung der Studie. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten deshalb erfahren, was sich hinter dem RSPO verberge.

Offenbar wenig Gutes: Der RSPO habe „viele der versprochenen Leistungen nicht erbracht“, heißt es in der gemeinsamen Studie von Brot für die Welt und der Vereinten Evangelischen Mission (VEM). Selbst zertifizierte Unternehmen hielten seine Kriterien nicht oder nur unzureichend ein. Immer wieder würden Brandrodungen oder die Missachtung von Land- und Besitzrechten der lokalen Bevölkerung bei der Anlage von Plantagen dokumentiert.

In den wenigsten Fällen könne die Bevölkerung eine freie Entscheidung treffen, ob auf ihrem Land Palmöl angebaut wird, kritisierte der Geschäftsführer der Umweltorganisation WALHI, Abetnego Tarigan. Der Beschwerdemechanismus greife nicht.

VEM-Vorstandsmitglied Jochen Motte sagte, eine Einführung freiwilliger Standards könnten die Missstände nicht beheben. Die Regierungen in den Anbauländern müssten ihre Gesetze durchsetzen und die Unternehmen kontrollieren. Torfböden, Regenwald und Land in den Händen von Bauern etwa müssten bei der Vergabe von Konzessionen ausgeschlossen sein, forderte Motte.

Der RSPO wurde 2004 als gemeinsame Initiative von Industrie und Zivilgesellschaft gegründet und ist bereits wiederholt in Kritik geraten. Er sei ein erster kleiner Schritt in „Richtung verantwortungsvolle und nachhaltige Palmölproduktion“, benötige jedoch deutlich strengere Kriterien, urteilen Brot für die Welt und die VEM. (gka)

erschienen in Ausgabe 6 / 2014: Tschad: Langer Kampf um Gerechtigkeit

Kommentare

Das stimmt, dass die RSPO-Zertifizierung noch weit davon entfernt ist, perfekt zu sein. Sie nimmt nämlich die Bauern, die Palmöl anbauen, nicht in Anspruch. Wenn alle Produkte mit Palmöl gekennzeichnet werden, werden Leute diese Produkte weniger kaufen. Und warum? Weil es eine Hetze gegen Palmöl gibt. Ist es ungesund? Jedes Fett sollte mit Maß konsumiert werden. Ist es umweltschädlich? Die Ölpalme ist die produktivste Ölpflanze. Wenn wir jetzt Palmöl ersetzen wollten, müssten wir viel größere Flächen benutzen, um genau
so viel Öl zu produzieren.

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