Uganda: Der Brotkorb füllt sich

Mehr als 20 Jahre litten die Acholi im Norden Ugandas unter einem blutigen Bürgerkrieg. Nun bauen sie sich langsam ein neues Leben auf.

Vor einem Jahr hat die Regierung begonnen, die Straße zwischen Uganda und dem südlichen Sudan auszubauen, die durch Gulu führt. Für Maria Oketayot, die mit Lebensmitteln handelt, war das lange überfällig. „Die Straße zwischen Norduganda und Südsudan war die schlechteste in der Region. In der Regenzeit sind unsere Waren immer verdorben“, erinnert sie sich. Schulen sind an ihre ursprünglichen Orte zurückgekehrt, einige haben die Regierung und nichtstaatliche Organisationen (NGO) wieder aufgebaut. Sie erhielten Computer und einen Internetzugang, neue Klassenräume und Unterkünfte für die Lehrer.

Während des Bürgerkrieges verbrachten mehr als zwei Millionen Menschen in Norduganda über zwanzig Jahre dicht gedrängt in Lagern (die Armee brachte viele Acholi dorthin mit dem Argument, sie dort besser als in den verstreuten Dörfern vor Angriffen der LRA schützen zu können; Anm. d. Red.). Der Untergeneralsekretär der Vereinten Nationen für humanitäre Angelegenheiten, Jan Egeland, beschrieb die Lage einst als eine der schlimmsten humanitären Katastrophen weltweit.

Die LRA unter Joseph Kony entführte Kinder und machte sie zu Kämpfern in Uganda, im Sudan, im Kongo und nun in Zentralafrika, wo die Jagd auf die Rebellen weitergeht. Der Krieg machte die Landwirtschaft sehr schwierig und zerstörte einen Großteil der staatlichen Strukturen; grundlegende Dienstleistungen waren kaum noch verfügbar. 

Die Menschen in der Acholi-Region machten die schlimmste Zeit ihrer Geschichte durch. Kinder, Frauen und Männer wurden entführt, verstümmelt und vergewaltigt. Die Menschen in den Lagern litten an Hunger und Krankheiten. Viele Mädchen und Jungen mussten die Schule abbrechen, andere wurden unter Bedingungen unterrichtet, die ihre Leistung wenig förderten.

Das Leben vieler Mädchen wurde schon in jungen Jahren zerstört. Sie wurden von LRA-Rebellen entführt, vergewaltigt und geschwängert und kehrten mit Kindern nach Hause zurück. Dort hatten sie keine Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Ihre Kinder wurden ausgegrenzt und „Lotino pa Kony“ genannt, Kinder, die in LRA-Gefangenschaft geboren wurden. Das wirkt bis heute nach.

Die Opfer der LRA sind schwer traumatisiert

„In Gulu und Nwoya nehmen viele junge Leute Drogen oder trinken Alkohol, um ihr Leid zu vergessen“, sagt der Norduganda-Experte Richard Komakech. Sie hätten keine Orientierung für ihr Leben, da ihnen jegliche Unterstützung fehle. Ein weiteres Erbe des Krieges und ein großes Hindernis für die Entwicklung der Region sind die zunehmenden Streitigkeiten um Land zwischen den in die Dörfer zurückgekehrten Familien. Sie führen zu Konflikten mit Toten und Verletzten und enden nicht selten mit Gefängnisstrafen. Viele Leute stecken viel Zeit und Geld in Prozesse vor korrupten Gerichten, doch am Ende verlieren arme Familien oft ihr Land und greifen zu Gewalt.

Obwona George Ogol, ein früherer Gesundheitshelfer in Staatsdiensten, führt die Streitereien und die Blockade von staatlichen Projekten auf bleibende Traumatisierungen zurück. „Fast jeder Mensch in Acholi hat direkt oder indirekt unter den Gräueltaten der LRA gelitten“, sagt er. „Sie reagieren deshalb extrem abwehrend auf Konflikte um Land oder auf die Pläne ausländischer Investoren.“

erschienen in Ausgabe 7 / 2014: Lobbyarbeit: Für den Nächsten und sich selbst

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