Schade um die schöne Ente

Das hier hätte eigentlich eine Glosse zu Robert Mugabe werden sollen, genauer: zu Robert Mugabe als UN-Sonderbeauftragter für Tourismus. Zu diesem sei der greise Diktator von Simbabwe von der UN-Welttourismusorganisation UNWTO ernannt worden, war unlängst in einigen Zeitungen zu lesen, auch in seriösen Blättern wie dem britischen „Guardian“. Ach, welch dankbares Thema wäre das gewesen: Mugabe, der von etlichen Ländern mit einem Einreiseverbot belegt ist, als weltoberster PR-Mann für die Urlaubsbranche! Warum auch nicht? Der Mann hat sich verdient gemacht um den Tourismus in seiner Heimat. Vor einigen Jahren hat er etliche Elendsviertel planieren lassen, was die Städte Simbabwes ohne Zweifel sicherer und als Reiseziel attraktiver gemacht hat. Auch sein Festhalten an der Macht ist aus tourismuspolitischer Sicht sinnvoll: Urlauber, vor allem solche mit viel Geld im Brustbeutel, schätzen stabile Verhältnisse. Regierungswechsel in Afrika bringen oft Unruhe und sind insofern echte Spaßbremsen.

Aber: Aus der Glosse wird nichts. Mugabe wird nämlich gar nicht Sonderbotschafter. Die Meldung hat sich als falsch herausgestellt. Der Präsident hat von der UNWTO nur einen Brief bekommen, er möge sich für einen umweltfreundlichen und sozialverträglichen Tourismus einsetzen – im Dienste einer „nachhaltigen Entwicklung“. Denselben Brief haben auch zig andere Staats- und Regierungschefs bekommen. Schade um die schöne Geschichte, dachten wohl die regimetreuen Redakteure der simbabwischen Zeitung „The Herald“ – und bauschten sie für ihren obersten Chef etwas auf. Die freien Blätter im Westen schrieben sie ab, und hier wäre beinahe eine Glosse daraus geworden. Merke: Nicht alles vorschnell glauben, was gedruckt wird. Ob in Harare, London oder Frankfurt.             

erschienen in Ausgabe 8 / 2012: Auf der Flucht

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