Spaß und Nervenkitzel im Ausbildungscamp

Da sage noch einer, die Bundeswehr sei nicht offen für Kritik. Seit die Wehrpflicht abgeschafft wurde, wirbt die Truppe verstärkt um Nachwuchs – auch bei Kindern. 

Auf Sardinien veranstaltet die Hardthöhe aufregende „Adventure Camps“, wo „krasse Wasserwettkämpfe“ und „schwindelerregend hohe Klippen“ zum Abseilen warten, wie es in Werbeanzeigen in einschlägigen Jugendmagazinen heißt. Und im bayerischen Roding durften Schulkinder in den Sommerferien sogar richtig Soldat spielen – mit Uniform, simuliertem Stacheldraht und Minenfeld-Hindernislauf. Bei den Kids kommt das gut an. Es gibt aber auch Einwände: Die Bundeswehr verharmlose Krieg, die Kinder bekämen einen ganz falschen Eindruck, monieren Pädagogen.

„Das stimmt“, räumte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums jetzt ein: „Unsere Kritiker haben recht. Auch wir sind zum Schluss gekommen, dass unsere bisherigen Angebote zu lasch und nur für Weicheier sind.“ Das nächste Feriencamp habe man deshalb verlegt: in den zentralafrikanischen Dschungel. Dort, so der Sprecher, gebe es noch „krasse gewaltsame Konflikte“; der Krieg dort sei „viel realistischer als auf Sardinien oder in Bayern“. Und das Beste: Als Projektpartner hat die Bundeswehr einen gewissen Joseph Kony gewonnen. Der könne sogar einen Trupp echter Kindersoldaten anbieten. „Das macht es für unsere Jungs und Mädchen natürlich noch viel aufregender – und auch lustiger“, so der Sprecher mit einem Augenzwinkern.

Aber ist das nun wieder nicht zu gefährlich? Der Sprecher beruhigt: Man habe mit Kony vereinbart, dass im Camp nur mit Platzpatronen geschossen wird und er seine Jungs ausnahmsweise mal nicht mit Drogen willenlos und aggressiv macht. „Alles wirkt echt und bringt super Nervenkitzel. Aber am Ende ist es doch nur Spaß und soll nicht wehtun.“

erschienen in Ausgabe 10 / 2014: Hoffen auf die Mittelschicht

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