Smartphones und Tablets unter der Ethik-Lupe

Unter dem Titel „Wie viel Blut steckt in unseren Smartphones?“ haben Brot für alle und Fastenopfer in Bern ein Rating von Handy- und Computerherstellern vorgestellt. Firmen aus Europa und den USA schneiden besser ab als ihre asiatische Konkurrenz. Doch der Weg zum fair produzierten Smartphone ist für alle noch weit.

Die beiden Schweizer Hilfswerke haben die zehn in der Schweiz meistverkauften Marken nach ethischen und ökologischen Kriterien unter die Lupe genommen und bewertet. Auf einem guten Weg seien die beiden Konzerne HP und Nokia. Apple und Dell schneiden mittelmäßig ab. Dahinter folgen Acer, Lenovo, Samsung und Sony. Schlusslichter sind die beiden taiwanesischen Hersteller Asus und HTC. Beurteilt wurden die Firmen in den Kategorien Umwelt, Arbeitsrechte und Konfliktmaterialien. In der Schweiz geben die Konsumentinnen und Konsumenten jährlich 925 Millionen Franken (766 Millionen Euro) für neue Smartphones aus.

Insgesamt haben die Firmen seit der letzten Untersuchung von 2008 einiges verbessert. Der Projektverantwortlichen Daniela Renaud zufolge schenken die Firmen dem Umweltschutz deutlich mehr Beachtung als den Arbeitsbedingungen der Beschäftigten: „Besonders beim Gesundheitsschutz und den zentralen Fragen der existenzsichernden Löhne und der Arbeitsrechte bleibt noch viel zu tun.“

###bild-1-22###Erschwerend wirke, dass die Firmen ihre Verantwortung an ihre Zulieferer abschieben. Obwohl viele Zulieferbetriebe die Arbeitsrechte nicht einhalten, begnüge sich die Hälfte der bewerteten Konzerne mit einem Verhaltenskodex, kritisiert Renaud. Grundsätzlich fehlten bei allen Firmen eine klare Strategie und glaubhafte Schritte, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Für die Untersuchung in den fünf chinesischen Zulieferbetrieben von HP, Samsung, Asus und Lenovo haben Brot für alle und Fastenopfer mit der Organisation Sacom (Students and Scholars against Corporate Misbehaviour) in Hongkong zusammengearbeitet. Laut der Projektverantwortlichen von Sacom, Pui-Kwan Liang, wurden in allen fünf untersuchten Fabriken die vom chinesischen Arbeitsrecht vorgeschriebene Höchstzahl von 36 Überstunden pro Monat regelmäßig weit überschritten.

Grund für die zum Teil extrem langen Schichten von 8 bis 22 Uhr ist, dass die Konzerne keine Lagerbestände aufbauen wollen und bei ihren Zulieferern sehr kurzfristig bestellen. Zudem arbeiten viele Leiharbeiter zu prekären Bedingungen und niedrigen Löhnen. Ihr Anteil an der gesamten Belegschaft überstieg in mehreren Zulieferbetrieben die gesetzlich zulässigen zehn Prozent bei weitem.

Ein Boykott ist keine Lösung

Viele der benötigten Rohstoffe wie Kupfer, Aluminium, Gold, Tantal, Coltan und Kassiterit stammen aus Konfliktregionen, in denen gewalttätige Gruppen sich mit dem Abbau und Handel mit Rohstoffen finanzieren. Zwar anerkennen alle Firmen diese Problematik, schieben aber auch hier in der Regel die Verantwortung auf die Zulieferer ab. Asus und HTC boykottieren Mineralien aus der Demokratischen Republik Kongo. Das sei jedoch keine Lösung, sagt Daniela Renaud. Apple zeige einen machbaren Weg und beziehe den Konfliktrohstoff Tantal ausschließlich aus zertifizierten Quellen.

Der kongolesische Bischof Fridolin Ambongo sprach sich bei der Vorstellung des Hightech-Ratings gegen Boykotte aus, da diese vor allem die lokale Bevölkerung träfen. Die Bischofskonferenz setzt sich deshalb dafür ein, dass die kongolesische Regierung einen Rechtsrahmen schaffe, in dem die Unternehmen legal Mineralien für Hightech-Produkte abbauen könnten.

Unterstützt wird die Kampagne auch von der Schweizer Stiftung für Konsumentenschutz. Sie will sich auf politischer Ebene dafür einsetzen, dass bei der Beschaffung von Gütern durch die öffentliche Hand nicht nur der Preis, sondern auch ökologische und soziale Kriterien bewertet und kontrolliert werden. Die eidgenössische Verwaltung gab 2012 rund 770 Millionen Franken (640 Millionen Euro) für elektronische Geräte aus.

erschienen in Ausgabe 10 / 2014: Hoffen auf die Mittelschicht

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