15 Jahre Ziviler Friedensdienst

Seit 1999 unterstützt die Bundesregierung die Arbeit ziviler Friedensdienste in Konfliktregionen. Anlässlich des Jubiläums wurde Bilanz gezogen: Die Fachleute wollen nah dran sein an den Menschen, stoßen aber politisch an Grenzen.

Nach 15 Jahren sei der Zivile Friedensdienst (ZFD) nicht mehr wegzudenken und ein „äußerst wertvoller und wirksamer“ Partner in der Zivilgesellschaft, sagte Gunther Beger, Abteilungsleiter im Entwicklungsministerium bei einem Festakt am Mittwoch in Berlin. Der Abend widmete sich unter dem Motto „Erinnern fördern, Versöhnung stärken“ der Vergangenheitsbewältigung von Tätern und Opfern in Konfliktregionen. Etwa in Ruanda, dass sich 20 Jahre nach dem Völkermord wirtschaftlich erholt hat und relativ stabil ist.

In mehr als 40 Prozent aller Nachkriegsgesellschaften brechen Konflikte innerhalb von zehn Jahren wieder auf, sagte Beger. Der Friedensdienst sei ein unverzichtbares Instrument, um aus diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Die Fachkräfte könnten helfen, Erinnerungen zu verarbeiten und Krisen durch Präventionsarbeit zu vermeiden. Diese Arbeit wolle das Ministerium auch in Zukunft unterstützen.

Seit 1999 fördert die Bundesregierung den Zivilen Friedensdienst. Der Bund unterstützt die Einsätze der Friedensfachkräfte jährlich mit zweistelligen Millionenbeträgen. 2013 waren es 29 Millionen Euro, im Bundeshaushalt 2014 sind 34 Millionen Euro zugesagt – Kritiker monieren, dass das immer noch nicht einmal die Hälfte der Mittel sei, die der Bund für die Entwicklungspartnerschaft mit der Wirtschaft ausgibt.

Langfristige und intensive Zusammenarbeit

Im Konsortium Ziviler Friedensdienst haben sich inzwischen mehrere zivile Entwicklungsdienste zusammengeschlossen, darunter Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst und EIRENE. Bislang waren rund tausend Friedensarbeiter in 50 Ländern im Einsatz, etwa im Südsudan, in Kolumbien oder auf dem Balkan. Kern der Arbeit des ZFD sei die langfristige Präsenz der Fachkräfte und ihre intensive Zusammenarbeit mit einheimischen Kollegen aus örtlichen Partnerorganisationen, sagte Carsten Montag, einer der beiden Sprecher des Konsortiums.

Die Nähe zu den Menschen ermögliche es, in unterschiedlichen Konfliktgebieten eine Zukunft zu gestalten, in der Verständigung möglich sei. Seit einer Evaluierung durch externe Gutachter im Jahr 2011 arbeite das Konsortium daran, sein Profil zu schärfen, etwa in Form von Länderstrategien. Zudem solle stärker auf die Wirkung geachtet und die Verwaltung vereinfacht werden.

Der Friedensdienst müsse jedoch von der Bundesregierung politisch flankiert werden, forderte Dieudonné Kibinakanwa aus Burundi. Berlin solle auf die burundische Regierung einwirken, damit diese sich der Versöhnung stelle, statt sie zu vermeiden. Nachdem sein Vater im Bürgerkrieg zwischen Hutu und Tusi getötet wurde, gründete Kibinakanwa 1996 die Organisation Mi-PAREC, die sich um einen Dialog zwischen Opfern und Tätern bemüht. Kibinakanwa betonte, es sei wichtig, für die Aufarbeitung der Gräueltaten die „Justiz zu definieren, die wir wollen“, und in der alle Beteiligten – Opfer, Täter, Gemeinde und Staat – eingebunden werden. Eine von der Regierung schon im Jahr 2000 zugesagte nationale Wahrheitskommission lasse aber weiter auf sich warten.

erschienen in Ausgabe 11 / 2014: Der Glaube und das Geld

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