Mit Nestlé auf die Expo

(25.11.2014) Einmal mehr sorgt die Nähe zwischen der Regierung und der Privatwirtschaft für rote Köpfe: Ausgerechnet der Nahrungsmittelkonzern Nestlé erhält im Schweizer Pavillon auf der Expo 2015 in Mailand zum Thema Welternährung viel Raum. Damit sende die Schweiz falsche Signale, lautet die Kritik.

Für drei Millionen Franken darf Nestlé zwei der vier Pavillons mit Produkten bestücken, die immer wieder für Kritik sorgen: mit Kaffeekapseln und Wasserflaschen. Einer der Pavillons ist dem Thema Wasser gewidmet. „Die Kritik am Wassergeschäft von Nestlé könnte dem Image der Schweiz Schaden zufügen“, sagt Martina Munz. Die SP-Politikerin schließt nicht aus, dass Aktivisten sich bei der Expo 2015 bemerkbar machen und gegen den Konzern demonstrieren. Mit seinem Beitrag übernimmt der Lebensmittelhersteller 13 Prozent der Kosten für den Schweizer Expo-Auftritt.

Munz bedauert das, denn gerade im Umgang mit Wasser als öffentlichem Gut „könnte die Schweiz eine Vorbildfunktion wahrnehmen“. Die SP-Politikerin ist nicht die einzige, die sich an der dominanten Rolle Nestlés als Sponsorin des Auftritts der Schweiz auf der Weltausstellung in Italien stört. Wasseraktivisten, nichtstaatliche Organisationen und Politiker blasen ins gleiche Horn.

Angesichts der Herausforderungen mit Blick auf das Thema Welternährung böte die Expo 2015 eigentlich eine gute Diskussionsplattform, sagt Tina Goethe von Brot für alle. „Die Schweiz hat im internationalen Vergleich eine vorbildliche Landwirtschaftspolitik und könnte aufzeigen, dass demokratische Ernährungssysteme möglich sind.“ Es sei schade, dass sie diese Chance nicht nutze.

Stirnrunzeln gibt es sogar in Italien und Frankreich

So wie die Pavillons konzipiert seien, könne man meinen, es seien Nahrungsmittelkonzerne, die die Welt ernährten, sagt die Teamleiterin Recht auf Nahrung. Doch seien es die Bauern, die weltweit mit mit weniger als einem Drittel der Ressourcen mehr als zwei Drittel der Nahrungsmittel produzierten. „Nestlé hingegen geht es um die Erschließung und Kontrolle von Agrarmärkten. Die Wasserflaschen des Konzerns stehen für einen privatisierten Wassermarkt, seine Kaffeekapseln für ein Luxusprodukt.“

Privat-öffentliche Expo

Das Schweizer Parlament hatte 2012 einen Kredit zur Teilnahme der Schweiz an der Expo 2015 in der Höhe von 23,1 Millionen Franken genehmigt. Davon müssen acht Millionen Franken von privaten und öffentlichen Sponsoren…

Sogar im Nachbarland Italien stößt die Präsenz von Nestlé in Mailand auf Kritik. So sagte die linke Politikerin Daniela Donno im Senat, es gehe bei der Weltausstellung offensichtlich nicht um Welternährung, sondern darum, die Konzerne auf Kosten der Bürger zu füttern. Und der französische Politiker und Wasseraktivist Jean-Luc Touly zeigte sich in einem Brief an die PR-Agentur im Außendepartement Präsenz Schweiz erstaunt darüber, dass ausgerechnet die Schweiz mit ihrer vorbildlichen öffentlichen Wasserversorgung Nestlé Platz im Wasserpavillon einräume.
Der Schweizer Pavillon auf der Expo 2015 in Italien beruhe auf einer öffentlich-privaten Partnerschaft, begründet Nicolas Bideau, Chef von Präsenz Schweiz, die Zusammenarbeit der Regierung mit dem Nahrungsmittelkonzern. Auch stehe Nestlé für die Kompetenzen der schweizerischen Unternehmen im Lebensmittelbereich. Der Konzern zeige sich mit seiner Teilnahme an der Weltausstellung gewillt, an einer „gemeinsamen Reflexion über das Thema Wasser“ teilzunehmen. Nestlé wollte sich auf Anfrage zum jetzigen Zeitpunkt nicht zum Thema äußern und verwies auf eine Medienkonferenz über den Schweizer Pavillon im Dezember.

erschienen in Ausgabe 12 / 2014: Früchte des Bodens

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