Schwieriges Erbe

Der Politikwissenschaftler Jörg Faust leitet seit Mitte April das Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval). Dort muss er zunächst Vergangenheitsbewältigung betreiben.

Zum einen muss Faust, der bisher beim Deutschen Institut für Entwicklungspolitik tätig war, wieder Ruhe in das Institut bringen. Denn dort hat sich einiger Frust aufgestaut – über den chronischen Personalmangel, die Arbeitsbelastung und vor allem über den Streit zwischen dem früheren DEval-Leiter Helmut Asche und der Spitze des Entwicklungsministeriums (BMZ). Die hatte Asche im vergangenen Sommer abberufen, weil sie mit seiner Arbeit nicht zufrieden war. Faust muss dafür sorgen, dass sich das Institut wieder auf seine wichtige Aufgabe konzentrieren kann: die deutsche Entwicklungspolitik kritisch unter die Lupe zu nehmen.

Zum anderen muss Faust einen Makel loswerden, der an seiner Berufung haftet. Laut BMZ gab es knapp 30 Bewerber für den Posten. Einer davon wurde vom Ministerium noch während der Ausschreibung zum stellvertretenden DEval-Leiter ad interim bestellt: Jörg Faust. Damit hatte er einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Kandidaten. Die Frage stellt sich: Hat das Ministerium die Ausschreibung nur pro forma durchgeführt und seinen Wunschkandidaten installiert? Faust muss diesen Verdacht entkräften. Das ist umso wichtiger, da sein Vorgänger Helmut Asche dem BMZ vorwirft, es habe seine Arbeit immer wieder behindert, da es an einer unabhängigen Evaluierung nicht wirklich interessiert sei. Faust muss also zeigen, dass er der beste und nicht nur der Mann des BMZ ist.

 

erschienen in Ausgabe 5 / 2015: Töten für den rechten Glauben

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