Mit Gentechnik gegen die Klimakrise

(7.05.2015) Der Agrarkonzern Monsanto will in Afrika einen neuen Genmais auf den Markt bringen. Er soll Kleinbauern helfen, sich an den Klimawandel anzupassen. Kritiker halten das für eine irreführende Vermarktungsstrategie.

Wenn der Regen nicht fällt, kommt der Hunger: Dürreperioden waren in der Vergangenheit immer wieder Auslöser verheerender Hungersnöte im östlichen und südlichen Afrika. Und diese könnten mit dem Wandel des Klimas in Zukunft wesentlich häufiger auftreten und Regionen im subtropischen Afrika treffen, die bislang weniger darunter litten, sagen Klimaforscher voraus.

Die Landwirtschaft wird sich den neuen Bedingungen anpassen müssen. Offen ist, wie das am besten geschehen soll. Umstritten ist vor allem die Entwicklung trockenresistenten Saatguts als Mittel gegen Ernteausfälle. Diesem Ziel hat sich unter anderen die vom US-amerikanischen Agrarkonzern Monsanto 2008 ins Leben gerufene Initiative WEMA („Wassereffizienter Mais für Afrika“) verschrieben. Unterstützt wird das Projekt mit bislang rund 80 Millionen US-Dollar von der Bill Gates Stiftung und der amerikanischen Entwicklungsagentur USAID. 

Die Initiative, an der auch verschiedene afrikanische Forschungsinstitute beteiligt sind, will Bauern in den fünf Projektländern Südafrika, Kenia, Mosambik, Tansania und Uganda den Zugang zu Mais-Sorten ermöglichen, die möglichst wenig Wasser benötigen und längere Dürren überstehen können. Das soll sowohl mit konventioneller Züchtung als auch mit genmanipulierten Varianten erreicht werden. Damit könnten Erträge gesichert und bis zu 21 Millionen Menschen mehr ernährt werden, wirbt der Agrarkonzern auf seiner Webseite.

Ein aktueller Bericht des südafrikanischen African Centre for Biodiversity nährt Zweifel an diesem Versprechen. In der Kritik steht vor allem der von Monsanto entwickelte trockenresistente Mais MON87460. Studien in den USA, wo die Sorte seit 2011 angebaut wird, hätten gezeigt, dass auch die Ernten dieser Maissorte bei extremer Trockenheit schlecht ausfielen, heißt es in dem Bericht. Der Beitrag zur Ernährungssicherung sei deshalb minimal.

„Der eigentliche Trumpf geht verloren“

Die Direktorin des Centre, Mariam Mayet, warnt stattdessen vor „desaströsen“ Folgen für Kleinbauern. Im Rahmen der öffentlich-privaten-Partnerschaft versuche Monsanto auch den schädlingsresistenten Genmais (MON810) in den WEMA-Ländern einzuführen. Dieser wird zwar schon seit 15 Jahren in Südafrika angebaut, sei aber vor allem für Kleinbauern ungeeignet. Auch der konventionell gezüchtete Hybridmais sei für viele ein unkalkulierbares Risiko, da für die Nutzung teure Dünger und Pestizide nötig seien.

Der trockenresistente Genmais wird bislang nur in Feldversuchen getestet, unter anderem in Kenia und Uganda. Die kommerzielle Nutzung gentechnisch veränderter Pflanzen ist dort wie in den meisten afrikanischen Ländern nicht erlaubt. Die Autoren des Berichts argwöhnen deshalb, die Agrarlobby missbrauche die Klimakrise, um in Afrika neue Märkte für ihre Saatgutprodukte zu erschließen. Zudem profitierten die Agrarkonzerne durch den Zugang zu wertvollem Zuchtmaterial traditioneller Sorten aus den nationalen Saatforschungszentren der WEMA-Partnerländer, warnt Mayet. Damit gewönnen die großen Firmen langfristig immer mehr Einfluss auf den afrikanischen Markt.  

Auch Eike Zaumseil, Referent für Klima und Landwirtschaft bei Brot für die Welt, kritisiert die Initiative: Die Kleinbauern würden zunehmend in die Abhängigkeit getrieben, während die traditionelle Sortenvielfalt verloren gehe – und die sei der eigentliche Trumpf bei der Anpassung an den Klimawandel. 

 

erschienen in Ausgabe 6 / 2015: Indien: Großmacht im Wartestand

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