Klimaschutz: Ehrgeizige Städte

Das Klimabündnis europäischer Städte engagiert sich seit 25 Jahren gegen den Klimawandel. Die ursprünglichen Ziele waren allerdings zu ambitioniert.

In den Großstädten entscheidet sich, ob Deutschland seine Klimaziele erreichen wird. Bis zum Jahr 2020 sollen die Treibhaus­gas­emissionen um 40 Prozent gegenüber dem Vergleichsjahr 1990 reduziert werden. Aufgrund der räumlichen Dichte werden weltweit in den Großstädten rund vier Fünftel aller klimaschädlichen Gase ausgestoßen.

Alle rund 1700 Mitgliedskommunen des Netzwerks aus ganz Europa haben sich dazu verpflichtet, in den kommenden 15 Jahren ihren Ausstoß an Kohlendioxid um ein Drittel zu verringern. Als verträglich für das Weltklima gilt bei der gegenwärtigen Weltbevölkerungszahl ein jährlicher Verbrauch von etwa 2,5 Tonnen pro Einwohner. Davon ist Deutschland weit entfernt: Ein Frankfurter verbraucht jedes Jahr rund zehn Tonnen CO2 und ein Dresdner etwa sieben Tonnen.

Das diesjährige Treffen des Klimabündnisses fand im April in Dresden statt. Die Stadt an der Elbe gilt als Vorreiter beim Klimaschutz und ist seit 1994 Mitglied im Klimabündnis. Mit ihrem 2013 verabschiedeten Integrierten Energie- und Klimakonzept setzt sie auf deutlich mehr Energieeffizienz, zum Beispiel  in den Bereichen Kraft-Wärme-Koppelung und Fernwärme.

Dresden setzt auf Kraft-Wärme-Kopplung

Bei der Kraft-Wärme-Koppelung wird in einem Kraftwerk neben Strom auch Wärme erzeugt, wodurch fossile Energie deutlich sparsamer genutzt werden kann. Bis zu 40 Prozent CO2-Emissionen lassen sich auf diese Weise gegenüber herkömmlichen Kraftwerken einsparen. Außerdem hat Dresden die Fernwärme ausgebaut und versorgt mit einem etwa 500 Kilometer langen Netz rund 120.000 Wohnungen mit Heizung und Warmwasser. Daneben fördert die Stadt erneuerbare Energien wie Solarthermie und Biomasse sowie die Elektromobilität und plant eine Pilotanlage zur Vergärung von Bio-Abfällen. Ein modernes Verkehrskonzept soll Bus, Straßenbahnen und Autoverkehr besser vernetzen und damit den öffentlichen Nahverkehr stärken. Die Leiterin des Klimaschutzbüros der Stadt Dresden, Ina Helzig, sagt zu den Klimazielen: „Wir können es schaffen, aber wir müssen uns beeilen.“

Denn bei den langfristig angelegten Klimastrategien ist für die Kommunen vieles nur schwer kalkulierbar. In ihrer Energiepolitik sind die Städte von Rahmenbedingungen abhängig, die sie selbst nicht steuern können. Ob erneuerbare Energien und Kraft-Wärme-Koppelung langfristig wirtschaftlich bleiben, hängt von der Preisgestaltung und gesetzlichen Vorgaben am Energiemarkt ab. „Die Reduktionsziele des Klimabündnisses sind für Kommunen hilfreich, aber sehr ambitioniert“, sagt Kurt Berlo vom Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt und Energie. Die Situation stelle sich für jede Stadt anders dar: „Es wird auch Kommunen geben, die an diesen Zielen scheitern.“

Für die Öffentlichkeit kaum nachvollziehbar

Dabei hat das Klimabündnis seine Ziele bereits nach unten korrigiert. Ursprünglich wollte das 1990 gegründete Netzwerk die CO2-Emissionen pro Einwohner bis 2010 gegenüber dem Referenzjahr 1987 halbieren. Damit hatten sich die Kommunen bewusst ein ehrgeizigeres  Ziel gesetzt als die nationalen Klima-Vorgaben in Europa. Spätestens 2007 war jedoch klar, dass eine so große Reduzierung der CO2-Emissionen nicht zu schaffen war. Das Ziel, die Pro-Kopf-Emissionen zu halbieren, wurde deshalb auf 2030 verschoben.

Ob eine Kommune ihre Klimaziele erfüllt, ist für die Öffentlichkeit momentan ohnehin kaum nachvollziehbar. Bis jetzt misst jede Stadt mit ihren eigenen Verfahren, eine einheitliche Methode zur Bilanzierung gibt es nicht. Das soll sich ändern. Das Klimabündnis entwickelt derzeit, unterstützt vom Bundesumweltministerium, einen „Klimaschutz-Planer“, mit dem die Kommunen aussagekräftige Energie- und Treibhausgasbilanzen erstellen können. Der Planer soll ab 2016 verfügbar sein. Dann lässt sich der Einsatz der Städte und Gemeinden untereinander vergleichen.

 

erschienen in Ausgabe 6 / 2015: Indien: Großmacht im Wartestand

Kommentare

beim Lesen Ihres Artikels Frau Mende. Dabei hätten wir doch alle mit Schampus feiern können. Vor fast zwei Jahren schrieben Sie über ein Klimabündnis Daressalam/Hamburg und wenn nur eines der damals angepeilten Ziele erreicht worden wäre, hätte ich "Sekt für Alle" spendiert. Mir haben Sie damals gemailt, Sie bleiben an der Sache dran. Und nun das! Wieder nur heiße Luft. Ein Berichterstatter kann darin verbrennen wie ein enttarnter Spion. Nicht freuen kann sich der informierte Leser über verbrauchtes CO2. Meine Güte, der Dresdner verbraucht sieben Tonnen CO2 und der Frankfurter sogar zehn Tonnen. Wenns denn nur so wäre, dann würde CO2 ja weniger werden. Die traurige Wahrheit ist ganz anders. Sogar Sie produzieren CO2, solang sie atmen. Vermutlich sogar mehr und schneller, während Sie meine Zeilen lesen.

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