Freihandel in Afrika

Für mehr Freihandel braucht es in Afrika vor allem bessere Straßen.

Freihandel in Afrika

Ungenutztes Potenzial

In Ägypten haben 26 Regierungen im Juni beschlossen, den Handel von Kairo bis Kapstadt zu liberalisieren. Das könnte die wirtschaftliche Entwicklung des Kontinents voranbringen – wenn die Politiker das wirklich wollen.

Es gibt bereits etliche regionale Wirtschaftsgemeinschaften in Afrika, die Handel und Investitionen zwischen den Mitgliedsländern ankurbeln sollen. Aber wirklich gelungen ist das bislang nur in zwei der Blöcke: der Ostafrikanischen Gemeinschaft (EAC) und dem Gemeinsamen Markt für das östliche und südliche Afrika (COMESA). Insgesamt hat der innerafrikanische Handel einen Anteil von gut 15 Prozent an den Gesamtexporten des Kontinents. Zum Vergleich: In Nordamerika (USA, Kanada, Mexiko) sind es knapp 50 Prozent, in der Europäischen Union sogar 70 Prozent.

Nun wollen die Mitglieder der EAC, des COMESA und der Südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft (SADC) noch einen Schritt weiter gehen und sich zu einer kontinentweiten Freihandelszone zusammenschließen. Der Schritt ist richtig, denn der innerafrikanische Handel hat laut Fachleuten viel ungenutztes Potenzial; das gilt vor allem für den Warenaustausch zwischen den einzelnen Wirtschaftsgemeinschaften. Außerdem zeichnet sich der Handel innerhalb Afrikas durch ein Merkmal aus, dass jedes entwicklungspolitische Herz höher schlagen lässt: Fertigwaren haben darin einen Anteil von 40 Prozent, während sie bei den Exporten aus Afrika nach Europa, Nordamerika oder Asien nur bei 13 Prozent liegen; hier dominieren die Rohstoffe. Wächst der innerafrikanische Handel, könnte das also zugleich die Weiterverarbeitung von Produkten auf dem Kontinent beflügeln.

Schlechte Straßen und viel Bürokratie

Die geplante Freihandelszone von Kairo bis Kapstadt kann aber nur dann Nutzen bringen, wenn Lehren aus den bisherigen Erfahrungen gezogen werden. Zu den Ursachen für die dürftige Bilanz bisheriger innerafrikanischer Handelsabkommen zählt, dass die Regierungen ihre eigenen Beschlüsse ignorieren und sich weiter mit Zöllen und anderen Barrieren voneinander abschotten. Ein weiterer Grund sind Bürokratie und schlechte Infrastruktur. Beides sorgt dafür, dass ein Warentransport innerhalb der EAC von Kigali in Ruanda zum Hafen von Mombasa in Kenia im Durchschnitt zweieinhalb Wochen braucht. In Europa dauert eine ähnliche lange Fahrt von Budapest nach Rotterdam höchstens zwei Tage.

Um Wirklichkeit zu werden, braucht die schöne Idee vom grenzenlosen Handel in Afrika also vor allem mehr und bessere Straßen, ehrliche Zollbeamte und vernünftige Politiker.

erschienen in Ausgabe 7 / 2015: Den Frieden fördern, nicht den Krieg

Neuen Kommentar schreiben