Rohstoffe
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Schweizer Konzern am Pranger

Die kirchlichen Hilfswerke Brot für alle und Fastenopfer werfen dem Schweizer Rohstoffhändler Vitol vor, sich beim Kohlegeschäft in Südafrika nicht genügend um die Einhaltung von Menschenrechten und Umweltstandards zu kümmern. Der Konzern flüchtet sich in Ausreden.

Der in Genf und Rotterdam ansässige Rohstoffhändler ist das umsatzstärkste Unternehmen der Schweiz: Im vergangenen Jahr setzte Vitol mit Handel, Transport und Raffinerie von Erdöl, Gas, Kohle und weiteren Energieträgern rund 250 Milliarden Franken (230 Milliarden Euro) um. Obwohl der Konzern größer ist als der umstrittene Rohstoffmulti Glencore waren seine Geschäftspraktiken bislang kaum ein öffentliches Thema.

In einer Fallstudie haben Brot für alle und Fastenopfer nun zum ersten Mal die Wahrung von Menschenrechten und Umweltstandards durch Vitol und einen seiner Kohle-Zulieferer, der australischen Firma Coal of Africa (CoAL) in Südafrika unter die Lupe genommen. Die kirchliche Stiftung Bench Marks Foundation hat deren Minenprojekte in der Region Limpopo im Norden des Landes untersucht.

Dort bedroht die Kohleförderung im Tagebau mehr als 5600 Arbeitsplätze in der Landwirtschaft und im Tourismus. Zudem befürchtet die lokale Bevölkerung, dass es durch den Ausbau der Minen zu Wassermangel, Umweltverschmutzung und gesundheitlichen Belastungen kommt. 2010 war CoAL bereits wegen Verletzungen der Wasserlizenzen bestraft worden.

Vitol baue zwar nicht selbst Kohle ab, stehe aber als vertraglicher Abnehmer von CoAL in der Verantwortung, betonen die kirchlichen Hilfswerke. Sie fordern den Rohstoffmulti zu mehr Transparenz auf: Vitol liefere kaum Informationen über die Auswirkungen seiner Handelstätigkeit auf Menschen und Umwelt, so wie dies die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte verlangen. Ein Fragebogen, den Brot für alle und Fastenopfer dem Unternehmen vorlegten, blieb ebenso unbeantwortet wie die Einladung zu einem Treffen.

"Kein Einfluss auf die Geschäftspraxis"

Erst kurz vor der Veröffentlichung des Berichtes bezog Vitol schriftlich Stellung und wies sämtliche Kritik der Hilfswerke als unbegründet zurück. Man habe keinen Einfluss auf die Geschäftspraxis des Zulieferers CoAL, schreibt Vitol. Zudem halte man sich freiwillig an den Global Compact, mit dem sich Unternehmen für eine soziale und ökologische Globalisierung engagieren. Dessen Standards liegen laut Hilfswerken jedoch unter den Anforderungen der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte.

Der Schweizer Rohstoffhändler beruft sich zudem auf seine Geschäftsfreiheit als privates Unternehmen und relativiert seinen Einfluss – obwohl er zu den fünf größten Kohlehändlern weltweit gehört.

Die politische Forderung nach mehr Transparenz und Verantwortung der Schweizer Rohstoffmultis erhält indessen immer mehr Gewicht. Im Frühjahr starteten rund 70 Organisationen die Unterschriftensammlung für die Konzernverantwortungsinitiative. Das Volksbegehren will verbindliche Regeln für in der Schweiz ansässige Konzerne zum weltweiten Schutz von Mensch und Umwelt schaffen. Bislang ist rund die Hälfte der 100.000 nötigen Unterschriften zusammengekommen. Die Sammelfrist läuft noch bis Oktober 2016.

erschienen in Ausgabe 10 / 2015: Gesundheit: Ohne Fachkräfte geht es nicht

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