Waldbrände in Indonesien
Waldbrände in Indonesien

"Zu 90 Prozent Brandstiftung"

Die Zerstörung von Wäldern und Mooren durch Brände ist in Indonesien die größte Quelle von Treibhausgasen – und von krank machendem Qualm. Warum es so schwer ist, sie zu stoppen, erklärt der Wissenschaftler Herry Purnomo am Rande der Weltklimakonferenz in Paris.

Herry Purnomo ist Wissenschaftler am Center for International Forestry Research (CIFOR) in Indonesien und hat die polit-ökonomischen Ursachen der Brände untersucht.
Brechen die großen Brände in Indonesien von selbst aus oder werden sie gelegt?
Die meisten, etwa 90 Prozent, gehen auf Brandstiftung zurück. Ein Grund sind schädliche landwirtschaftliche Praktiken. Man brennt zum Beispiel auf Torfböden die Vegetation ab, um Land für Palmölplantagen vorzubereiten und den Boden fruchtbarer zu machen. Das ist die billigste Methode, zu roden. Und wenn Ölpalmen zu alt geworden sind, werden sie abgebrannt, um ertragreichere zu pflanzen.

Warum wird die Brandstiftung nicht verhindert?
Landbesitz und Landrechte in Indonesien sind in vielen Fällen nicht klar geregelt. Es gibt einen illegalen Markt, auf dem man sogar per Handy Land kaufen kann. Wo gerodet ist, steigt der Preis und lokale Politiker können das Land teuer verkaufen. Außerdem wird Land benutzt, um Stimmen zu gewinnen. Die Daten aus den vergangenen 15 Jahren für Sumatra und Kalimantan zeigen, dass im Jahr vor lokalen Wahlen die Zahl der Feuer besonders hoch ist. Das weist darauf hin, dass Politiker Land erschließen lassen und es an Wähler verteilen, die versprechen, für sie zu stimmen.

Wer profitiert am meisten von den Bränden?
Vor allem lokale Eliten, die hundert bis mehrere Hundert Hektar mit Ölpalmen besitzen. Sie nutzen das Feuer, um Land für Plantagen vorzubereiten. Es ist zudem eine Methode, Anspruch auf bestimmte Landgebiete zu erheben. Große Palmöl-Konzerne haben kein Interesse an solchen Feuern. Aber sie betreiben viele Plantagen nicht selbst, sondern lassen sie von Vertragsnehmern bewirtschaften. Das Feuer trifft im Übrigen nicht nur Ölplantagen, sondern auch Plantagen, wo Bäume wie Eukalyptus für die Papierproduktion angebaut werden.

Die Brände haben die Kohlendioxid-Emissionen in Indonesien in die Höhe getrieben. Zu Beginn der Weltklimakonferenz hat Präsident Widodo versprochen, etwas gegen die Feuer zu unternehmen. Was kann er erreichen?
Er will eine Agentur gründen, die Moore wieder bewässert. Das ist an sich sinnvoll. Aber die Koordination zwischen der zentralen Regierung und den lokalen Behörden ist schwach. Und es wird ein bis zwei Jahre dauern, bis die Agentur arbeitet. Man müsste aber sofort etwas tun, weil die Brände im Februar und März, nach der feuchten Jahreszeit, wieder aufflammen werden. Man könnte Großunternehmen dazu bringen, Kanäle zu blockieren, die die Moore entwässern. Außerdem muss Geld etwa für Brandbekämpfung bereitgestellt werden, und das tun lokale Behörden bisher nicht, obwohl das Problem dieser Feuer seit langem bekannt ist.

Betroffen sind vor allem Sumatra und Kalimantan?
Ja, vielleicht siebzig Prozent der Feuer brennen dort. Es sind aber auch andere Inseln betroffen wie Papua.

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