Bürgerkrieg im Jemen
Bürgerkrieg im Jemen

Kein Frieden ohne Frauen

Zur Beendigung des Bürgerkrieges im Jemen finden derzeit in der Schweiz Friedensgespräche statt. Wie viele Frauen am Tisch sitzen, ist nicht bekannt. Dabei wäre ihre Teilnahme laut Oxfam entscheidend für die Zukunft des Landes.

Seit Monaten tobt im Jemen ein Bürgerkrieg. Schiitische Huthi-Rebellen kämpfen gegen Anhänger von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi, seit März bombardiert ein Bündnis aus arabischen Ländern unter Führung Saudi-Arabiens Stellungen der Huthis. Diese beherrschen große Teile des Landes, darunter die Hauptstadt Sanaa. Mitte Dezember haben im schweizerischen Magglingen unter Führung der Vereinten Nationen (UN) Friedensgespräche zwischen Vertretern der Regierung und der Rebellen begonnen.

Frauen sitzen vermutlich keine mit am Tisch – ein großes Versäumnis, finden die Entwicklungsfachleute Shaheen Chugtai und Scott Paul von Oxfam. Denn ihre Teilnahme würde die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass das Ergebnis der Verhandlungen zum Aufbau einer gerechten, stabilen und wohlhabenden Gesellschaft beiträgt.

Chugtai und Paul erinnern an den Aufstand gegen Präsident Ali Abdullah Salih im Herbst 2011. Damals gingen Frauen gemeinsam mit Männern auf die Straße, um politische und wirtschaftliche Reformen in dem bitterarmen Land einzufordern. Viele Frauen seien damals in die Politik gegangen, berichtet eine Menschenrechtsexpertin. „Es war der Beginn eines neuen Jemen, in dem die Gleichberechtigung der Geschlechter erreichbar schien.“ Die Aktivistin Tawakkol Karman wurde für ihr Engagement mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

In der Nationalen Dialogkonferenz, dem Herzstück des politischen Transformationsprozesses, besetzten Frauen immerhin 152 von 565 Sitzen und leiteten drei von neun Arbeitsgruppen. Während der fast zehnmonatigen Beratungen bis April 2014 traten sie unter anderem dafür ein, weibliche Genitalverstümmelung und sexuelle Gewalt unter Strafe zu stellen und das Heiratsalter auf 18 Jahre heraufzusetzen. In Gesetze gegossen wurden diese Forderungen jedoch nicht.

Anfängliche Erfolge wurden zunichte gemacht

Dennoch finden Chugtai und Paul, ihre anfänglichen Erfolge hätten gezeigt, dass die Beteiligung von Frauen an politischen Diskussionen und Entscheidungen dazu beiträgt, gerechtere Strukturen aufzubauen. Die damalige Friedensinitiative, die vom Golfkooperationsrat koordiniert wurde, habe ihr Versprechen auf Inklusion allerdings nicht gehalten und sich als nicht nachhaltig erwiesen.

Zudem habe der erneute Ausbruch des Krieges sämtliche Fortschritte zunichte gemacht. Dalya Quassem, Leiterin einer Stiftung zur Förderung von Mädchen: „Der Konflikt erstickt unsere Rede- und Bewegungsfreiheit. Sexuelle und häusliche Gewalt sind weit verbreitet. Ich wage es nicht, nach Sonnenuntergang auf die Straße zu gehen.“

In den jüngsten Friedensgesprächen dürften die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholt werden, betonen die Oxfam-Forscher. Frauen müssten die Chance erhalten, einen Frieden mitzugestalten, der von Dauer ist und allen Jemeniten zugutekommt. Die Aktivistin Atiaf Alwazir meint: „ Keine der Konfliktparteien wird unsere Existenz berücksichtigen, solange wir nicht da sind, um sie daran zu erinnern, dass sie uns anhören müssen.“

Zweifel sind angebracht, dass diese Forderungen erfüllt werden – obwohl die UN Konfliktparteien in einer Resolution dazu verpflichten und Studien zeigen, dass die damit verknüpften Hoffnungen berechtigt sind.

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