Digitales Afrika
Digitales Afrika

Agenda ohne Antrieb

Neun Monate nach dem Start trommelt die Bundesregierung für ihre strategische Partnerschaft „Digitales Afrika“. Mit der Privatwirtschaft will das Entwicklungsministerium (BMZ) die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) in Afrika fördern. Mehr als 100 Unternehmen zeigen Interesse – aber mehr bislang auch nicht.

Der Initiative angeschlossen haben sich etwa der in Afrika erfahrene Softwarekonzern SAP und der Branchenverband Bitcom. Um förderwürdige Projektvorschläge wirbt nun der Kanzlerbeauftragte Günter Nooke beim Afrika-Verein der Deutschen Wirtschaft. Bei der Technologiemesse Cebit Mitte März in Hannover soll an Ständen und in Workshops die Werbetrommel gerührt werden. Ähnliche Partnerschaften gibt es bereits mit der Gesundheitswirtschaft. Die German Food Partnership für die Landwirtschaft wurde 2015 beendet. Sie hatte herbe Kritik angezogen. Zivilgesellschaftliche Organisationen sahen darin Entwicklungshilfe für die beteiligten Konzerne.

Womöglich auch deswegen herrscht in der Wirtschaft eine gewisse Zurückhaltung. Unternehmen scheuen offenbar, sich an feste Plattformen oder ausführende Organisationen wie die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) zu binden. Daraus will das BMZ nun lernen: Die digitale Partnerschaft versteht sich stärker als Netzwerk Gleichgesinnter, deren Austausch es erleichtern soll, in neue Märkte einzutreten – sei es Äthiopien, Kenia oder Kamerun. IKT-Firmen aus Asien und den USA haben den Kontinent längst entdeckt. „Indem man sich strategisch aufstellt, macht man eine Ansage“, sagt Nooke.

In den Ländern Afrikas soll deutsches Firmenengagement dazu beitragen, neue wirtschaftliche Perspektiven zu schaffen: Ausbildung, gute Jobs und eine starke Privatwirtschaft, heißt es offiziell. Unklar ist, wie das Ministerium die deutschen Firmen begleiten will. Möglich sind Studien, Versicherungen, Exportgarantien. „Maßnahmen der Entwicklungszusammenarbeit“ sollen verantwortungsvolles Unternehmertum „wirkungsvoll flankieren“, heißt es. Ein eigener Geldtopf steht nicht bereit.

53 Millionen für Projekte in Afrika

Eingebettet ist die Partnerschaft in die Digitale Agenda der Bundesregierung, die anregt, Digitalisierung als wichtigen Baustein der Entwicklungszusammenarbeit zu nutzen. Auch die Weltbank drängt, die „digitale Kluft“ zu schließen und den Zugang zum Internet bezahlbar zu machen sowie IT-Kenntnisse für den Arbeitsmarkt aufzubauen.

Nach den Worten von Staatssekretär Thomas Silberhorn zählt Deutschland mit weltweit 258 IKT-Projekten, einigen davon in Afrika, schon heute zu den größten Gebern in dem Sektor. „In 2016 wollen wir 53 Millionen Euro allein für IKT-Vorhaben in Afrika investieren“, sagte Silberhorn Ende Januar. Im vergangenen Jahr seien es gerade einmal zwei Millionen gewesen.

Die Strategische Partnerschaft mit der Wirtschaft läuft parallel dazu. Als erstes haben die interessierten Unternehmen Branchenarbeitsgruppen für Gesundheit und Logistik gebildet. Weitere sollen folgen. Brücken nach Afrika schlägt das GIZ-Programm „Lab for tomorrow“, das Teil der Partnerschaft ist: So ruft der Verband der Maschinenbauer VDMA zu einem Workshop über Ernteverluste. Mit kenianischen Fachleuten und möglichen Kunden aus Produktion, Transport, Verarbeitung und Export soll dabei in drei Tagen eine profitable Geschäftsidee mit marktfähigen Lösungsideen entwickelt werden.

erschienen in Ausgabe 3 / 2016: Flucht und Migration: Dahin, wo es besser ist

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