Burundi
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Kirchen wollen eine Wahrheitskommission

In Burundi droht ein Bürgerkrieg. An den Versuchen, den Präsidenten und die Opposition an einen Tisch zu bringen, haben sich Anfang März auch Vertreter des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) und der All African Conference of Churches (AACC) beteiligt. Jan Janssen, Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg, war als Vorsitzender des Evangelischen Missionswerks in Deutschland dabei.

Jan Janssen, Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg.EKD
Erst war ein Mitglied des UN-Sicherheitsrats in Burundi, dann der Sondergesandte der US-Regierung, dann der UN-Generalsekretär und schließlich fünf afrikanische Regierungschefs. Was kann nun der ÖRK bewirken?
Viele Burundier glaubten lange Zeit, dass die Welt sie vergessen habe. Die vielen diplomatischen Besuche jetzt sehen sie als Chance sich auszutauschen und die einzelnen Konfliktparteien an ihre jeweiligen Zusagen zu erinnern. Gegenüber den Repräsentanten der Politik haben die Kirchen einen Vorteil: Sie sind in Burundi besser aufgestellt und können die Menschen gut erreichen. Auch bringen der ÖRK und der AACC mit ihrer ökumenischen Zusammensetzung noch einen anderen Aspekt in die Diskussion. Sie zeigen, dass jenseits von Glaubensfragen und Überzeugungen eine Zusammenarbeit möglich ist.

Welche Ergebnisse hat die ÖRK-Reise gebracht?
Der Nationale Kirchenrat in Burundi, der unser Hauptgesprächspartner war, will eine Wahrheits- und Versöhnungskommission ähnlich der in Südafrika oder in Ruanda initiieren. Der AACC als panafrikanische Organisation hat angeboten, Räume zu schaffen, wo sich beide Seiten friedlich und jenseits der Öffentlichkeit an einen Tisch setzen können, um zu verhandeln. 

Glauben die Burundier überhaupt noch an die Macht des Dialogs? Die Erfahrung der letzten Jahre lehrt eher, dass in Burundi nur dem Gehör geschenkt wird, der zu den Waffen greift.
Natürlich bleibt die Sorge, dass eine Aussöhnung nicht gelingt. Neben dem Präsidenten Pierre Nkurunziza haben wir ja auch Vertreterinnen und Vertreter der Opposition getroffen, und diese Gespräche waren durchaus von Angst geprägt. Bei den Politikern muss sich erst noch zeigen, ob sie wirklich an einem Dialog interessiert sind. Aber es gibt auch kleine Hoffnungszeichen. Anders als beim Hutu-Tutsi-Konflikt in Ruanda kann Burundi auf eine wesentlich längere Erfahrung zurückgreifen, Spannungen zwischen den Ethnien zu deeskalieren, beispielsweise durch die paritätische Besetzung von Ämtern.

Der Nationale Kirchenrat vertritt in Burundi nur etwa fünf Prozent der Bevölkerung. In der katholischen Kirche, die nicht Mitglied im Nationalen Kirchenrat ist, sind 60 Prozent organisiert. Das spricht nicht für viel Einfluss des Kirchenrats.
Die katholische Kirche in Burundi hat frühzeitig Position bezogen und sich gegen eine dritte Amtszeit von Präsident Nkurunziza ausgesprochen. Der Nationale Kirchenrat dagegen hat sich nicht positioniert. Deshalb kann er jetzt glaubhafter Brücken zwischen den Parteien bauen. Hinzu kommt, dass die Vertreter der Pfingstkirchen einen guten Draht zu wichtigen Politikern haben, die ebenfalls aus einer Pfingstkirche stammen.

Was war für Sie in Burundi die wichtigste Erfahrung?
Wenn ein Südafrikaner, der selbst das Ende der Apartheid erlebt hat, den burundischen Kirchenvertretern sagt, dass sie in politischen Auseinandersetzungen Plattformen für den Dialog schaffen sollen, dann hat das großes Gewicht. Auch wenn der anglikanische Erzbischof aus dem Nachbarland Tansania sagt, dass die Kirche ihre gesellschaftliche Rolle als Mittler verpasst, wenn sie bei der Spaltung zwischen Hutu und Tutsi mitspielt, dann wird das in Burundi aufmerksam gehört. Der innerafrikanische Dialog spielt in Situationen wie der in Burundi eine ungemein wichtige Rolle.

Das Gespräch führte Katja Dorothea Buck.

erschienen in Ausgabe 4 / 2016: Entwicklungsbanken: Geld mit Nebenwirkungen

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