Marikana-Massaker

Keine Hilfe für die Witwen

Vor knapp vier Jahren sind in Marikana in Südafrika mehr als 30 streikende Minenarbeiter von der Polizei getötet worden. Der deutsche Chemiekonzern BASF lehnt einen Hilfsfonds für die Hinterbliebenen der Opfer weiter ab.

Das Unternehmen mit Sitz in Ludwigshafen ist der größte Abnehmer des in Marikana geförderten Platins. Für rund eine halbe Milliarde US-Dollar jährlich kauft es dem britisch-südafrikanischen Bergbaukonzern Lonmin, der die Mine betreibt, das Edelmetall ab. BASF verarbeitet das Platin in Fahrzeugkatalysatoren; laut dem ARD-Magazin „Panorama“ macht der Konzern damit fast zehn Prozent seines Umsatzes.

Bei der Aktionärsversammlung von BASF vor einem Jahr appellierte der südafrikanische Bischof Jo Seoka an die Anteilseigner, ihre Verantwortung wahrzunehmen und für die Einrichtung eines Entschädigungsfonds für die Angehörigen des Massakers zu stimmen. Bischof Seoka lud die Konzernleitung außerdem nach Südafrika ein, um sich selbst ein Bild von der Lage und den Arbeitsbedingungen der Minenarbeiter zu machen. Das Unternehmen lehnte damals beides ab: Man wolle abwarten, bis die von der südafrikanischen Regierung eingesetzte Untersuchungskommission zu den Vorfällen in Marikana ihre Arbeit beendet habe.

Die Ergebnisse der Untersuchung liegen seit Sommer 2015 vor: Die Kommission gibt dem BASF-Zulieferer Lonmin zumindest eine Mitschuld an der Eskalation der Gewalt. Doch auch bei der diesjährigen Aktionärsversammlung vergangene Woche in Mannheim fand der Besuch aus Südafrika kein Gehör: Bischof Seoka trug sein Anliegen erneut vor, aber die BASF lehnte es wiederum ab, einen Hilfsfonds in Höhe von acht Millionen Euro einzurichten.

Der deutsche Chemieriese nimmt für sich in Anspruch, angemessen auf die Vorfälle reagiert zu haben: Gemeinsam mit Lonmin bemühe man sich, die Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiter und Arbeiterinnen in Marikana zu verbessern. Zudem habe die BASF Ende des vergangenen Jahres selbst die Geschäftspraktiken von Lonmin von einem unabhängigen Gutachter untersuchen lassen. Ergebnis: Es gebe Verbesserungsbedarf vor allem beim Arbeits- und beim Umweltschutz, aber es seien keine gravierenden Verstöße von Lonmin gegen Arbeits- oder Menschenrechte festgestellt worden. Es gebe keinen Grund, die geschäftlichen Beziehungen zu dem Minenbetreiber zu beenden, heißt es in einer BASF-Erklärung.

Bei Ntombizolile Mosebetsane und Agnes Makopano Thelejane trifft das auf Unverständnis. Die beiden Witwen aus Marikana, deren Männer von der Polizei erschossen wurden, meldeten sich bei der Aktionärsversammlung in Mannheim zu Wort. Es sei nicht nachvollziehbar, wenn BASF behaupte, Lonmin habe seit dem Massaker etwas für die Menschen in Marikana getan. Das Unternehmen habe keine Entschädigung gezahlt, erklärten sie. Auch Bischof Seoka zeigte sich „tief erstaunt und geschockt“ über die Ergebnisse der BASF-Untersuchung. Erneut lud er die Konzernleitung nach Südafrika ein. Doch wahrscheinlicher ist wohl, dass der Kirchenmann nächstes Jahr wieder nach Deutschland zur BASF-Hauptversammlung reisen wird.

erschienen in Ausgabe 6 / 2016: Neue Chancen für die Kurden

Neuen Kommentar schreiben