Satire in Afrika

Letzte Vorbereitungen: Im Mai 2009 geht Kenias Politsatire-Show „XYZ“ zum ersten Mal auf Sendung.

Satire in Afrika

"Witze über den Präsidenten sind heikel"

Mit Humor auf Missstände aufmerksam machen – das ist weltweit ein bewährtes Mittel. Der kenianische Cartoonist Gado und der Comedian Samm Farai Monro aus Simbabwe erzählen, wie sie alles und jeden auf die Schippe nehmen und welche Rolle das Internet spielt.

Samm Farai Monro, Sie sind einer der Macher der satirischen Nachrichtensendung „Zambesi News“. Gado, Sie sind vor allem für Ihre politischen Cartoons bekannt. Warum sind Sie damit so erfolgreich?
Samm Farai Monro: Politische Satire regt gleichzeitig zum Lachen und zum Nachdenken an. Alles andere würde die Menschen in einem so repressiven und korrupten Staat wie Simbabwe nur zusätzlich deprimieren.
Gado: Genau so ist es. Mit Satire kann man sensible Themen auf lustige Art vermitteln. Ein anderer Vorteil ist, dass die Regierung satirische Projekte nicht immer klar einordnen kann. Anders als bei journalistischen Berichten bewegt man sich mit Comedy in einer Grauzone.

Gado, Sie wurden dennoch vor einigen Wochen von Ihrer Tageszeitung „Daily Nation“ in Kenia gefeuert. Was ist passiert – warum hat sie die Zusammenarbeit beendet?
Gado: Mein Chef sagte, ich solle ein Sabbatjahr nehmen. Ich habe zugestimmt, obwohl ich ahnte, was los war – sie wollten, dass ich nie zurückkomme. Die Auszeit war nur eine Ausrede, um mich loszuwerden. Ich bin überzeugt, dass die kenianische Regierung Druck wegen meiner satirischen Cartoons über die afrikanische Politik ausgeübt hat. Eigentlich stand die Zeitung immer hinter mir, jetzt ist sie eingeknickt.

Samm, Ihre Show ist eine der bekanntesten Sendungen in Simbabwe. Befürchten Sie, dass Ihnen so etwas auch passieren könnte?
Samm: Die Show gibt es seit 2011, wir parodieren darin die staatlichen Nachrichtensendungen. In denen findet man nichts als knallharte und auch noch schlecht gemachte Propaganda – darüber machen wir uns lustig. Wir bekommen deshalb oft Gegenwind vom Staat. Einer aus unserem Team wurde neulich nachts auf der Straße von staatlichen Sicherheitskräften bedroht: Sie würden ihn mitnehmen, wenn er nicht mit der Show aufhört. So etwas ist schon bedenklich.

Godfrey Mwampembwa alias Gado zählt zu den bekanntesten Cartoonisten in Afrika. Zeitungen aus aller Welt wie „Le Monde“, der „Guardian“ und die „Washington Post“ haben seine Karikaturen nachgedruckt, auch in „welt-sichten“ erscheinen sie regelmäßig.Andi Weiland/ Böll-Stiftung
Wie gehen Sie beide mit solchen Schwierigkeiten um?
Gado: Mit meinen Auftraggebern musste ich schon immer darüber verhandeln, welche Cartoons gedruckt werden und welche zu derb sind. Das Wichtigste ist zu wissen, wer hinter einem steht. Die Sache mit der „Daily Nation“ ändert aber nichts daran, dass ich weiter angstfrei zeichne.
Samm: Seit es uns gibt, nutzen wir auch andere Kanäle als Radio oder Fernsehen. Bei den staatlichen Medien stehen wir auf der schwarzen Liste. Unsere erste Staffel haben wir 10.000 Mal auf DVD gebrannt und kostenlos verteilt. Heute läuft viel über soziale Medien. Immer mehr junge Leute haben Breitbandinternet, lesen Facebook oder schauen YouTube. Wenn wir drehen, müssen wir aber eine Genehmigung von der Zensurbehörde einholen.

Geht das so einfach?
Samm: Mittlerweile haben wir eine besondere Beziehung zu den Beamten in dieser Behörde aufgebaut. Über persönliche Kontakte reichen wir die Skripte ohne wichtige Inhalte ein und zahlen dann die Gebühren. Die Behörde ist glücklich über das Geld. Ich bezweifle stark, dass sie sich die Skripte jemals anschauen.

Haben die sozialen Medien Einfluss auf Ihre Arbeit als Cartoonist, Gado?
Gado: Ein wenig schon. Ich kann damit mehr Menschen erreichen, aber Zeitungen sind für mich immer noch sehr wichtig. Bei meiner Sendung „XYZ“ sieht die Sache anders aus. Das Projekt ist angelehnt an die britische Politsatire-Show „Spitting Image“, in der Puppen als Politiker auftreten. Es gibt sie seit sieben Jahren. Die Sketche verbreiten wir auch über die sozialen Medien. Trotzdem sollte man nicht davon ausgehen, dass das Internet ein sicherer, freier Raum ist. Zensur gibt es auch dort.

Samm Farai Monroe alias Comrade Fatso gehört zu erfolgreichsten Künstlern Zimbabwes. Er ist Direktor des Magamba Networks, das sich für politischen Wandel in dem Land engagiert, und einer der Hauptdarsteller der Satireshow „Zambesi News“. Andi Weiland/ Böll-Stiftung
Ist die Meinungsfreiheit in den vergangenen Jahren eingeschränkt worden?
Gado: Über die Jahre hat Kenia große Fortschritte gemacht, seit 2013 ist das allerdings wieder rückläufig. Es ist traurig zu sehen, dass die neue Regierung wieder versucht, die Medien und auch soziale Netzwerke stärker zu kontrollieren.
Samm: Es gibt ein Sprichwort in Simbabwe: Wir haben ein Recht auf freie Meinungsäußerung, aber keine Freiheit nach der Meinungsäußerung. Wir leben in einem repressiven Umfeld, in dem man für einen Facebook-Post im Knast landen kann, und es geht weiter bergab. Präsident Robert Mugabe will das Internet strenger regulieren. Eigentlich meint er: sperren. Er hat den staatlichen Umgang mit dem Internet in China gelobt und erklärt, dass Simbabwe sich daran ein Vorbild nehmen sollte. Das würde uns hart treffen. Soziale Netzwerke erleichtern uns vieles.

Was zum Beispiel?
Samm: Im vergangenen Jahr wollten wir die berühmte politische Puppe Chester Missing in unsere Show einladen, sie wird von einem Künstler aus Südafrika gespielt. Chester sollte den damaligen simbabwischen Informationsminister Jonathan Moyo interviewen. Das genehmigen zu lassen, hätte Monate gedauert. Also habe ich Minister Moyo eine Direktnachricht auf Twitter geschrieben, ob er Lust auf das Interview hat. Er schrieb zurück: „Richtet Chester aus, ich bin dabei!“ Erst danach fragte er, ob es eine Genehmigung für die Puppe gebe. Ich war sehr nervös, sagte aber: ‚Tut mir leid, ich wusste nicht, dass Chester eine braucht. Er ist ja nur eine Puppe.‘ Erstaunlicherweise ging alles gut.

Gibt es Themen, die Sie grundsätzlich lieber meiden?
Gado: Eigentlich nicht. In unserer Puppenshow haben wir sogar nachgestellt, wie wir den Präsidenten und den Premier in den Knast stecken. So etwas mögen Politiker gar nicht gerne, aber wir zeigen es trotzdem.
Samm: Wenn es um den Präsidenten geht, wird es immer besonders heikel. Wir machen uns über alles lustig: Von politischen Wahlen bis Korruption, aber auch über andere heiße Themen wie Religion, Rasse, Homophobie, die ganze Bandbreite. Nur über wirklich üble Dinge wie Vergewaltigung würde ich nie Scherze machen.

Reagieren Ihre Zuschauer manchmal sauer, wenn Sie über die Stränge schlagen?
Samm: Das passiert in der Tat. Oft sind das Leute, die nicht verstehen, dass es sich um Satire handelt. Sie glauben dann, dass unsere Charaktere in der Sendung rassistisch oder homophob sind. Dabei meinen wir es genau andersherum und wollen zeigen, wie homophob Afrika ist.
Gado: Manche reagieren schwer genervt, wenn man sich über sie lustig macht. Aber wenn die Leute sich beschweren, zeigt das vor allem, dass wir unseren Job gut machen.

Von dem Strafverfahren gegen den deutschen Satiriker Jan Böhmermann haben Sie wahrscheinlich gehört, oder?
Gado: Oh ja, ein bizarrer Fall. Das hat mich stark an Kenia erinnert, da werden Journalisten und Blogger auch oft unter Druck gesetzt und bestraft.  
Samm: Ich habe das auch verfolgt – eine klassische Situation für uns. Wobei wir üblicherweise Probleme kriegen, wenn wir Witze über den eigenen Präsidenten machen. Offenbar gibt es hier eher Ärger, wenn man sich über das Staatsoberhaupt eines anderen Landes lustig macht.

Das Gepräch führte Hanna Pütz.

erschienen in Ausgabe 7 / 2016: Sicherheit: Manchmal hilft die Polizei

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