Neue Vatikanbehörde
Neue Vatikanbehörde

Ökumenische Vorschusslorbeeren

Es kommt nicht häufig vor, dass eine Organisation eine andere öffentlich für eine Umstrukturierung lobt. Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) hat dies aber unlängst getan: Er hat die Schaffung einer neuen Megabehörde im Vatikan als Möglichkeit für eine noch stärkere Zusammenarbeit im Ringen um eine bessere Welt gepriesen.

Die neue Vatikanbehörde mit dem Titel „Dikasterium für den Dienst zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen“ biete weite Möglichkeiten der Kooperation im Bereich Gerechtigkeit und Frieden, heißt es in einer Mitteilung des Weltkirchenrats. „Die Welt wartet darauf, dass die Kirchen zusammenarbeiten und ihre gemeinsamen theologischen Überzeugungen von der Einheit der Kirche, der Menschheitsfamilie und der Schöpfung leben“, schreibt der ÖRK.

Was in Genf so große Begeisterung auslöst, ist aus römischer Sicht einer der wichtigsten Schritte der Kurienreform, die Papst Franziskus seit drei Jahren betreibt. Vier Päpstliche Räte werden in einer Megabehörde aufgehen, die Anfang 2017 ihre Arbeit aufnehmen wird. Thematisch werden hier Gerechtigkeit und Frieden, Migration, Nächstenliebe und Gesundheit gebündelt.

Das sind die Kernthemen, die sich der Papst für die Zeit seines Pontifikats vorgenommen hat. Er selbst wird den Teilbereich Migration übernehmen. Damit misst er dem Umgang mit Flüchtlingen und Migranten zusätzliches Gewicht bei. Im Dikasterium dürfen auch Laien die Posten der Sekretäre und Untersekretäre bekleiden. Bisher war dieser Rang in der Kurie  Priestern und anderen geistigen Würdenträgern vorbehalten. 

Die Behörde soll mit anderen Organisationen zusammenarbeiten und die nationalen Bischofskonferenzen sowie katholische Einrichtungen beraten, damit sie auf lokaler Ebene tätig werden können. Auch internationale Hilfswerke wie Caritas International unterstehen dem Dikasterium. Ihr Leiter wird Kardinal Peter Turkson, der bisher dem Päpstlichen Rat für Gerechtigkeit und Frieden vorstand. Der Ghanaer ist kein Unbekannter beim ÖRK, denn er hat auch bisher schon häufig mit dem Weltkirchenrat zusammengearbeitet, von dem er nun öffentliche Vorschusslorbeeren bekommt. Turkson sei „eine Persönlichkeit mit Erfahrung und Weitblick“, schreibt ÖRK-Generalsekretär Olav Fykse Tveit. Bei der Klimakonferenz in Paris und den Folgetreffen in Rom und Davos habe sich bereits gezeigt, wie gut der ÖRK und die katholische Kirche zusammenarbeiten.

erschienen in Ausgabe 11 / 2016: Frauen: Gemeinsam stark

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