Together in Hope

„Ökumene der Taten“

Selten wurde die Unterzeichnung eines Kooperationsvertrags zwischen Kirchen so pompös inszeniert wie die der Absichtserklärung „Together in Hope“. Der Lutherische Weltbund (LWB) und die katholische Kirche bekräftigen darin, dass sie ihre Kräfte in der humanitären Hilfe stärker bündeln wollen. Auf lokaler Ebene ist das nichts Neues.

Für die Unterzeichnung der Vereinbarung Ende Oktober hatte der LWB extra den Eispalast von Malmö gemietet und alles, was bei Lutheranern und Katholiken Rang und Namen hat, in die südschwedische Stadt eingeladen. Tatsächlich waren dann sogar Papst Franziskus und der Präsident des Lutherischen Weltbundes, Bischof Munib Younan, dabei, als der Generalsekretär von Caritas Internationalis, Michel Roy, und die Präsidentin des lutherischen Hilfsdienstes „World Service“, Maria Immonen, ihre Unterschriften unter das Dokument setzten. Allerdings war die Anwesenheit der kirchlichen Prominenz wohl weniger der Bedeutung des Ereignisses geschuldet, als vielmehr der Tatsache, dass es für die Kirchenführer einfach war, dort schnell mal vorbeizuschauen: Zuvor hatten sie im 20 Kilometer entfernten Lund den Auftakt des Reformationsjubiläums 2017 und den 70. Gründungsgeburtstag des LWB gefeiert.

Was Papst Franziskus in Malmö als die „Ökumene der Taten“ rühmte, soll künftig in der Flüchtlingsarbeit, bei der Begleitung von Friedensprozessen, in der Erreichung der Nachhaltigkeitsziele und ganz allgemein in der Bereitstellung humanitärer Hilfe Ausdruck finden. „Am 500. Jahrestag der Reformation“, heißt es in der Übereinkunft, „haben der LWB und die Katholische Kirche weitere Schritte zu einer Versöhnung unternommen.“

Maria Immonen betonte, man könne in ökumenischer Kooperation viele Menschen erreichen, ganz besonders aber diejenigen, die am meisten verwundbar sind. Religiöse Gemeinschaften seien prädestiniert dafür, weil sie oft den besten Zugang zu den Menschen an der Basis haben. „Ökumene ist wichtig, weil wir gemeinsame Ziele, Methoden und die gleiche Motivation haben, die Menschen und die menschliche Würde ins Zentrum unserer Arbeit zu stellen“, erklärte Maria Immonen.

Mit der Absichtserklärung erfinden LWB und Caritas das Rad der Ökumene keineswegs neu. Auf lokaler Ebene ist es seit vielen Jahren üblich, dass Katholiken und Lutheraner in humanitären Fragen zusammenarbeiten. In Kolumbien beispielsweise versuchen beide Organisationen Menschenrechtsanwälte zu schützen und selbst abgelegene Dörfer in den Friedensprozess mit einzubeziehen. Auch in Afrika arbeiten Lutheraner und Katholiken etwa im Kampf gegen Malaria oder Aids längst eng zusammen. Die Absichtserklärung von Malmö besiegelt lediglich, dass nun auch auf globaler Ebene stärker als bisher Synergien genutzt und gemeinsame Strategien ausgearbeitet werden sollen.

Für das kirchliche Netzwerk ACT Alliance dürfte diese neue Kooperation keine Konkurrenz darstellen. Die Allianz wurde 2010 gegründet, um die Nothilfe des Ökumenischen Rats der Kirchen und des Lutherischen Weltbundes besser zu koordinieren; heute machen 140 Kirchen dabei mit. Diese müssen laut Satzung entweder Mitglied im ÖRK oder beim LWB sein. Kooperationen mit anderen wie eben der katholischen Kirche werden weiterhin bilateral geschlossen.

erschienen in Ausgabe 12 / 2016: Energie für alle

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