Herausgeberkolumne
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Wasser ist wertvoller als Gold

Der Süd-Süd-Dialog zwischen kolumbianischen und südafrikanischen Aktivistinnen eröffnet neue Perspektiven und mobilisiert weitere Kräfte für eine nachhaltige Wirtschaft.

Matthias Dörnenburg ist Leiter Marketing und kommissa­rischer Direktor von Fastenopfer. Privat
Ende August 2016 in Johannesburg: Drei kolumbianische Aktivistinnen stehen vor dem Hauptsitz des Bergbauriesen AngloGold Ashanti und halten Plakate in die Höhe: „Water is more precious than gold“. Damit protestieren sie gegen ein geplantes Minenprojekt des südafrikanischen Unternehmens in den kolumbianischen Anden.

Der Protest war Teil einer zehntägigen Reise, die Fastenopfer im Rahmen eines politischen Süd-Süd-Austauschs ermöglicht hat. Sein Inhalt, seine Ziele und die einzelnen Aktivitäten waren im Dialog zwischen Partnern aus den Fastenopfer-Landesprogrammen in Südafrika und Kolumbien festgelegt worden. Die Aktivistinnen aus Kolumbien suchten während ihres Besuchs Unterstützung und Vernetzung in Südafrika. Sie besichtigten Minenregionen, ließen sich die zerstörerischen Folgen des Kohleabbaus zeigen, sprachen mit Bewohnerinnen der betroffenen Gemeinden und tauschten sich mit Vertretern sozialer Bewegungen aus.

Dabei zeigte sich immer wieder, wie sehr sich die Probleme in den sonst so unterschiedlichen Ländern ähneln: Die Konzerne lassen es an Transparenz fehlen, die Gesetzeslage ist widersprüchlich, Regierungen weigern sich, Verantwortung zu übernehmen, und die Menschen, die für ihren Boden und ihre Existenz kämpfen, sind unberechenbarer Repression ausgeliefert.

Gemeinsam loteten die Kolumbianerinnen mit südafrikanischen Juristinnen und politischen Aktivisten aus, wie man den Kampf gegen das Minenprojekt in Kolumbien unterstützen könnte. Daraus ergaben sich Anknüpfungspunkte und gemeinsame Aktionen über den Besuch hinaus. Auch beschlossen beide Seiten, sich in Zukunft regelmäßig auszutauschen, um politische wie juristische Strategien miteinander abzustimmen. Weiter lancierten sie eine Online-Petition, um südafrikanische Unterstützung für die Abstimmung in den kolumbianischen Gemeinden zu mobilisieren. Schließlich übergab die kolumbianische Delegation AngloGold Ashanti einen Brief mit der erneuten Forderung, die Umweltverträglichkeitsstudie zu veröffentlichen, die für das kolumbianische Minenprojekt erstellt worden ist. Das ist sowohl nach kolumbianischem als auch nach südafrikanischem Recht zwingend, wurde aber bereits mehrmals vergeblich angemahnt.

Globale Vernetzung der Zerstörung

Die Reise nach Südafrika war für Fastenopfer ein Pilotprojekt im Bestreben, politische Arbeit auf verschiedenen Ebenen künftig so zu verknüpfen, dass sich die verschiedenen Bestrebungen ergänzen und Mehrwert schaffen. Diese Arbeit in eine gemeinsame Strategie zu bringen und dabei die Süd- und Nordaspekte zu berücksichtigen, wird in den nächsten Jahren unsere Aufgabe sein. Wir wollen Kräfte bündeln und auf möglichst vielen verschiedenen Ebenen gleichzeitig ansetzen, um mit unseren Mitteln den riesigen globalen Problemen etwas entgegenzuhalten.

Das sahen auch die Diskutierenden in Südafrika so. Die Tatsache, dass in den kolumbianischen Fall ein transnationaler Konzern aus dem Süden involviert ist, zeigt deutlich die globale Vernetzung der Zerstörung. Das Bewusstsein darüber, was ausländische Konzerne in Südafrika anrichten, ist bereits vorhanden. Dass südafrikanische Konzerne dasselbe in anderen Ländern tun, ist dagegen noch wenig bekannt. Die südafrikanischen Gesprächspartner und Aktivistinnen waren aber sofort bereit, mit Campaigningaktivitäten und Lobbyarbeit dazu beizutragen, dass das Minenprojekt in Kolumbien aufgehalten wird.

Wasser ist wertvoller als Gold, nicht nur ideologisch, sondern auch ökonomisch. Die kolumbianischen Partner haben in einer Studie errechnen lassen, was dank des Wassers in ihrer Region alles möglich  ist: Ernährung, Gesundheit, Hygiene, Landwirtschaft. Wasser sichert den Menschen ein Leben in Würde über Generationen, während Gold nach ein paar Jahren abgebaut ist und eine unfruchtbare Mondlandschaft hinterlässt. Diese Erkenntnis gilt für Südafrika und Kolumbien gleichermaßen ¬– und mobilisiert Kräfte für den gemeinsamen Kampf für ein nachhaltiges Wirtschaften. von Fastenopfer.

erschienen in Ausgabe 12 / 2016: Energie für alle

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