Botsuana
Botsuana

Diamonds are not forever

Botsuana gilt als afrikanisches Musterbeispiel, wie man Rohstoffreichtum für Entwicklung nutzt. Laut Fachleuten sind die Diamantenvorräte aber spätestens in 30 Jahren erschöpft. Boniface Mabanza erklärt, wie es dann weitergehen könnte.

Boniface Mabanza ist Literaturwissenschaftler, Philosoph und Theologe und arbeitet bei der Kirchlichen Arbeitsstelle Südliches Afrika (KASA) in Heidelberg. Privat
Bereitet sich das Land auf das Ende des Booms vor?
Die Regierung ist sich bewusst, dass die Einnahmen aus der Diamantenproduktion gut investiert werden müssen, um die Wirtschaft zu diversifizieren. Sie setzt stark auf Tourismus, vor allem Ökotourismus, sowie auf den Transportsektor. Und auf Banken: Weil der große Nachbar Simbabwe so instabil ist, haben Tausende Simbabwer Konten in Botsuana.

Was passiert im Transportsektor?
Die Regierung investiert in Straßen und in die Eisenbahn. Langfristig will Botsuana ein Knotenpunkt für regionale Märkte im südlichen Afrika werden.

Was tut die Regierung außerdem?
Sie fördert Bildung und Gesundheit. Das Bildungsministerium hat mit 25 Prozent den höchsten Anteil am Staatshaushalt; damit liegt Botsuana in Afrika an der Spitze.

Die Arbeitslosigkeit ist trotzdem hoch...
Ja, die Diamantenproduktion schafft nur wenige Jobs. Die Regierung hat aber in den vergangenen Jahren einen Teil der Verarbeitung wie das Schneiden und Polieren der Steine von Europa nach Botsuana geholt. Sie setzt auf Industrialisierung. Deshalb hat Botswana zusammen mit Namibia dafür gekämpft, dass in den Handelsabkommen mit der Europäischen Union das Verbot von Exportsteuern gestrichen wird. Leider ist das nur teilweise gelungen.

Macht Botsuana in Afrika vorbildliche Politik?
Ja, bei Indikatoren für gute Regierungsführung ist es immer auf den vorderen Plätzen. Der amtierende Präsident Ian Khama hat einige autokratische Tendenzen gezeigt und hat versucht, einige Dinge nach seinen persönlichen Vorlieben und Interessen zu gestalten. Er ist damit auf viel Widerstand gestoßen – aus der Opposition, der Zivilgesellschaft, aber auch in der eigenen Partei. Das zeigt, dass die politischen Institutionen stabil sind.

Das Gespräch führte Tillmann Elliesen.

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erschienen in Ausgabe 2 / 2017: Europa: Die zaudernde Weltmacht

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