Rohstoffhandel

Mehr faires Gold für die Schweiz

Goldschürfen im Familienbetrieb: In Südamerika verdienen viele Kleinschürfer am Goldabbau - und leiden unter den Folgen.
Mit der Better Gold Initiative will die Schweiz – größte Drehscheibe im weltweiten Goldhandel – die Situation im Kleinbergbau in Peru und bald auch in Kolumbien und Bolivien verbessern. Nichtstaatlichen Organisationen geht das nicht weit genug.

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) und die Schweizer Goldbranche weitet die Better Gold Initiative auf Kolumbien und Bolivien aus. Die öffentlich-private Partnerschaft unterstützt seit 2003 kleine Minen und Bergbaukooperativen bei der Zertifizierung und galt bislang nur für Peru. Ziel sei es, die Zustände im Kleinbergbau zu verbessern, wo Gold oft unter gefährlichen, gesundheits- und umweltschädlichen Bedingungen abgebaut wird.  In Bolivien arbeiten laut SECO rund 100.000 Goldgräber in Kleinbetrieben, in Peru und Kolumbien je rund 150.000. Für viele Gemeinden sei das oft die einzige Einnahmequelle.

Mit der Zertifizierung profitieren die Kleinminen von Umwelt- und Sozialprojekten. Finanziert werden diese mit Hilfe eines Fonds, in den die Schweizer Abnehmer des Goldes pro Gramm Gold einen US-Dollar einzahlen. Bislang wurde rund eine Tonne Rohgold aus zertifizierten Minen in Peru in die Schweiz eingeführt, wie es Ende März auf einer Pressekonferenz hieß.

Das Projekt wird nun auf Bolivien und Kolumbien ausgedehnt. Die Verantwortlichen gehen mittelfristig von einer Importmenge von fünf bis zehn Tonnen aus – eine verschwindend geringe Menge im Vergleich zu den insgesamt rund 2700 Tonnen Gold, die allein im vergangenen Jahr in die Schweiz importiert wurden.

Das SECO zieht trotzdem eine positive Zwischenbilanz. Auch bei Fairtrade-Schokolade oder –Kaffee seien die Mengen anfangs klein gewesen, sagte SECO-Projektleiter Ivo Germann der Schweizer „SonntagsZeitung“. „Wir wollen etwas in Gang bringen.“ Das Verbesserungspotenzial sei allein wegen der hohen Zahl an betroffenen Arbeitern im Kleinbergbau riesig.  

Die Raffinieren sollen Lieferanten offenlegen

Die Schweiz dürfe sich nicht mit einem „Tröpfchen auf einen sehr heißen Stein“ zufrieden geben, kritisierte hingegen die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), die 2011 die Kampagne No Dirty Gold lanciert hatte. Zwar begrüßte die GfbV die Unterstützung von Kooperativen, die das Gold in verantwortungsvoller Weise abbauen wollen. Die Better Gold Initiative sei aber kein Instrument, um die Probleme bei der Produktion von und dem Handel mit Gold zu lösen. „Sie verhindert nämlich nicht den Import von Gold aus illegalen Quellen und von Produzenten, die in Menschenrechtsverletzungen involviert sind oder große Umweltschäden verursachen“, erklärte die GfbV in einer Stellungnahme zum jüngsten Ausbauschritt der Initiative.

Die Menschenrechtsorganisation forderte verbindlichere Maßnahmen. So sollen die Schweizer Raffinieren verpflichtet werden, ihre Goldproduzenten und Goldlieferanten offen zu legen sowie sich einer „rigorosen und transparenten“ Sorgfaltsprüfung zu stellen.

Laut Berechnungen der GfbV wird mindestens ein Drittel des gesamten Goldes, das weltweit in den Minen gewonnen wird, in einer Schweizer Raffinerie verarbeitet. Vier der sieben weltweit größten Raffinieren stehen auf Schweizer Boden. Sie gehören zu den Gründungsmitgliedern der Better Gold Initiative: Argor-Heraeus, Pamp und Valcambi im Tessin sowie Metalor in Neuenburg. Letztere geriet 2015 in die Schlagzeilen, weil sie laut GfbV auch illegal geschürftes Gold aus Peru verarbeitet haben soll.

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