Kirchentag
Entwicklungsminister Gerd Müller und Melinda Gates beim Evangelischen Kirchentag  in Berlin.
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Neu teilen lernen

Wie lässt sich die globale Armut bekämpfen? Der Entwicklungsminister fordert Verzicht, andere eine konsequentere Politik. Melinda Gates verteidigt den Ansatz ihrer Stiftung, mit der Privatwirtschaft zusammenzuarbeiten.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hat eine Änderung des Konsums- und Lebensstils in den wohlhabenden Ländern gefordert. Ohne einen Paradigmenwechsel werde der Planet Erde "an den Rand der Apokalypse" geführt, sagte er am Donnerstag auf dem evangelischen Kirchentag. "Wir müssen neu teilen lernen", betonte Müller und kritisierte die Anhäufung großen Reichtums in den Händen weniger.

Wenn die Menschen in Afrika und Asien mit so viel Ressourcenverbrauch leben wollten wie Bewohner der Industrieländer, brauche man drei Erden. Scharfe Kritik übte Müller an Rüstungsausgaben. Er hätte sich gewünscht, dass US-Präsident Donald Trump in Saudi-Arabien statt mit einem 100-Milliarden-Dollar-Deal für Waffen mit einem 10-Milliarden-Dollar-Fonds gegen den Hunger in Afrika vorangehen würde.

Schlechte Abstimmung in der Bundesregierung

Klaus Seitz von "Brot für die Welt" kritisierte einen Mangel an Abstimmung in der Regierungspolitik. Ein Ministerium fördere Kleinbauern in Afrika, während ein anderes eine EU-Exportoffensive für Agrarprodukte unterstütze, die diesen Kleinbauern das Leben schwer mache. Er forderte eine Umverteilung von Reichtum: "Es geht nicht um Almosen für die Armen, sondern um Gerechtigkeit", sagte der Leiter der Abteilung Politik bei "Brot für Welt". "Wenn wir über Armut reden, dürfen wir über Reichtum nicht schweigen."

Reichtum müsse begrenzt und stärker besteuert werden. Derzeit verlieren nach seinen Worten die armen Länder durch die Wirtschaftsstrukturen. "Aus den Entwicklungsländern fließe derzeit mehr Geld ab, als sie durch Investitionen und Entwicklungshilfe erhalten."

Gates: Zehn Dollar retten das Leben einer Mutter

Die US-Amerikanerin Melinda Gates, Co-Vorsitzende der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung, warb für eine gezielte Entwicklungshilfe. Niemand in den armen Ländern wolle für immer Unterstützung, sondern ein wenig Starthilfe. So könne man mit zehn Dollar das Leben einer Mutter retten, sagte sie.

Gates verteidigte die Arbeit ihrer Stiftung in Entwicklungsländern gegen den Vorwurf zu großer Nähe zu Pharmakonzernen. "Wir initiieren öffentlich-private Partnerschaften". Die Stiftung garantiere den Pharmafirmen Märkte in armen Ländern, die die Medikamente nicht bezahlen könnten. Im Gegenzug werde aber über eine Senkung der Preise verhandelt.

Zugleich bringt die Stiftung laut Gates die Entwicklung von Impfstoffen voran, etwa gegen den Rotavirus, eine der Haupttodesursachen bei Kindern. Produziert werde auch in Indien und China, weil es dort sehr viel billiger sei. Mithilfe der Impfstoff-Initiative GAVI wurde laut Gates bereits das Leben von sieben Millionen Kindern gerettet. Die Gates-Stiftung vergibt jährlich etwa vier Milliarden Dollar für wohltätige Zwecke, einen Großteil zur Bekämpfung der Armut.

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