Eritrea
Wiedersehen nach Jahrzehnten: Verwandte umarmen sich auf dem Flughafen in Asmara. Nach 20 Jahren landete im Juli der erste Flieger aus Äthiopien in Eritrea.
Eritrea

„Mit dem Friedensvertrag gibt es keine Ausreden mehr“

Mit verhaltener Freude kommentieren Vertreter der katholischen Kirche und Menschenrechtsaktivisten das Friedensabkommen zwischen Eritrea und Äthiopien. Sie fordern, endlich die Verfassung von 1997 in Kraft zu setzen und politische Gefangene freizulassen.

„Als Kirche sind wir mit dem Abkommen zufrieden“, sagte Mussie Zerai, Priester in Asmara. „Wir beten dafür, dass mit der Vereinbarung zwischen Präsident Isayas Afewerki und Premierminister Abiy Ahmed eine Zeit des dauerhaften Friedens beginnt und die Bürger beider Länder wieder in Stabilität und Freiheit leben können“.

Die Regierung in Eritrea verhindere unter Berufung auf den Ausnahmezustand aufgrund der Kriegssituation mit Äthiopien seit 1997 die Einführung der Verfassung und unterbinde demokratische Prozesse. „Mit dem Friedensvertrag gibt es keine Ausreden mehr“, sagte der Geistliche in einem Interview mit „Radio Vatikan“. Er hoffe, dass bald alle Bürger und soziale Organisationen alle Rechte genießen könnten.

Verhalten äußerte sich auch die eritreische Menschenrechtsaktivistin Meron Estefanos. Noch sei keines der Probleme Eritreas gelöst: Nach wie vor seien zahlreiche Menschen aus politischen Gründen inhaftiert, jegliche Opposition werde unterdrückt und es gebe keine Pressefreiheit. Auch die Demobilisierung von Soldaten habe noch nicht begonnen. „Warten wir die Entwicklungen ab“, sagte Estefanos.

Katholische Kirche kritisierte das Regime

Sie würdigte die katholische Kirche als eine der wenigen Stimmen, die in den vergangenen Jahren die Repression des Regimes angeprangert hätten. „Für diejenigen, die sich für ein freies Eritrea einsetzen, war die Kirche ein wichtiger Bezugspunkt“, sagte die in Schweden lebende Aktivistin.

Autorin

Katja Dorothea Buck

ist Religionswissen- schaftlerin und Journalistin in Tübingen.
Die katholische Kirche in Eritrea, zu der etwa fünf Prozent der Bevölkerung gehören, hat die Gläubigen „zu einer Haltung der Rechtschaffenheit, Gerechtigkeit und Vergebung“ aufgerufen. Die Kirche wolle dies nicht nur mit Gebeten unterstützen. Sie werde auch Veranstaltungen organisieren, bei denen über Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung nachgedacht werden soll, heißt es in einer Erklärung der eritreisch-katholischen Bischofskonferenz.  

Laut Menschenrechtsorganisationen leben Hunderte Eritreer ohne Anklage unter schlimmsten Bedingungen in Gefängnissen. Ihre Zahl lasse sich nicht genau beziffern, da jede Armee-Einheit über ihre eigenen Gefängnisse verfüge und internationale Beobachter das Land bisher nicht betreten durften.

Insbesondere Anhänger von Freikirchen und islamischen Gruppen, die nicht dem sunnitischen Islam angehören, wurden in der Vergangenheit vom Regime verfolgt und unter dem Vorwurf, die Gesellschaft spalten zu wollen und von ausländischen Mächten unterstützt zu werden, inhaftiert. Der Patriarch der Eritreisch-Orthodoxen Kirche, Abune Antonios, sitzt seit 2007 in Einzelhaft. Er hatte dem Regime die Einmischung in Kirchenangelegenheiten vorgeworfen.

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