Insekten
Mai Thitiwat hat eine Mission: „Ich will Käfer auf Kaviarniveau bringen.“
Insekten

Das große Krabbeln auf dem Teller

Ein thäiländischer Koch will seinen Landsleuten Insekten schmackhaft machen. Jakobsmuschel mit Bambusraupe – das ist nur eines der Gerichte, die Mai Thitiwat den Gästen in seinem Restaurant in Bangkok serviert. Ziemlich gewöhnungsbedürftig.

Die Dorfbewohner waren höchst amüsiert: Der Sternekoch aus der Hauptstadt hatte sie gebeten, mit ihnen auf Käfersuche zu gehen. Mai Thitiwat erinnert sich noch genau. Im thailändischen Nordosten, dem Isan, begann vor mehr als einem Jahr sein Insektenabenteuer. Zusammen mit den Einheimischen fing er im Dschungel ein paar Seidenraupen, Grashüpfer und Taranteln ein. Er kehrte damit nach Bangkok zurück und baute am Stadtrand eine Insektenfarm auf – dort züchtet er das Rohmaterial für sein Restaurant „Insects in the Backyard“ (Insekten im Hinterhof).

Mai Thitiwat will nicht mehr nur Koch sein, er ist zu einem Insekten-Aktivisten geworden. Der 32-Jährige sitzt auf der Terrasse seines Restaurants auf einem Marktgelände mit vielen Hipster-Geschäften am Rande von Bangkok. Der Dunst vom letzten Monsunschauer hängt noch schwer in der Luft und hinter den Wolken verbirgt sich die blaue Stunde. „Käfer sind die Zukunft der Menschheit“, sagt er und grinst. „Die meisten Leute haben das nur noch nicht verstanden.“
Die wachsende Weltbevölkerung führt dazu, dass Fleisch eines Tages zum Luxusgut werden wird. Je mehr Menschen es gibt, desto weniger Platz und Ressourcen werden für die Zucht von Tieren zur Verfügung stehen. „Wir müssen stattdessen alternative Nahrungsquellen ausfindig machen“, erklärt auch Maria Antonia Tuazon von der Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) der Vereinten Nationen. „Insekten sind eine mögliche Alternative.“

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erschienen in Ausgabe 12 / 2018: Mehr als Reis und Weizen

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