Pressefreiheit
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Chinas Streben nach Medien-Weltmacht

Ein Bericht von Reporter ohne Grenzen zeigt auf, wie China Einfluss auf ausländische Medien und Journalisten nimmt.

China will nicht nur Milliarden in die „neue Seidenstraße“ investieren, sondern auch in den Medien weltweit eine Vormachtstellung erlangen. Dazu bauen die Regierung und die Kommunistische Partei (KP) ihre eigenen Medien im Ausland aus, kaufen Anteile an Medien in anderen Ländern und bilden Tausende Journalisten aus aller Welt zu pro-chinesischen Multiplikatoren aus. Das und die Strategien dahinter schildert ein neuer Bericht von Reporter ohne Grenzen.

Eine Strategie ist danach die Expansion der staatseigenen Medien in andere Länder. So sei der staatliche Fernsehsender China Global Television Network (CGTN) inzwischen in mindestens 140 Ländern zu empfangen und produziere an großen Standorten in Afrika, Amerika und Europa maßgeschneiderte Programme für die jeweiligen Märkte. Erst im Dezember habe CGTN in London einen zentralen Produktionsstandort für Europa mit 90 Mitarbeitern eröffnet. Außerdem hat China in zehn Jahren allein für drei Milliarden Euro Anteile ausländischer Medien gekauft.

Um Journalisten quasi von der Wurzel auf zu beeinflussen, bietet die staatliche Rundfunkverwaltung spezielle Trainings an. Inzwischen haben diese schon 3400 ausländische Journalisten aus 146 Ländern absolviert. Danach sei die China-Berichterstattung etwa von Journalisten in Grenada oder Sambia deutlich unkritischer geworden, heißt es im ROG-Bericht.  

Einfluss auf kritische Journalisten im Ausland

Seit der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping im Jahr 2013 Staatspräsident geworden ist, werden die Medien noch stärker kontrolliert, berichten die Reporter ohne Grenzen. Im eigenen Land sitzen deshalb momentan mehr als 60 Blogger und Journalisten im Gefängnis. Das Internet wird in China umfassend überwacht und zensiert. Auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen steht China auf Platz 176 von 180 Ländern – noch schlechter wird die Lage nur in Syrien, Turkmenistan, Eritrea und Nordkorea eingeschätzt.

In dem ROG-Bericht werden auch diverse Beispiele dafür genannt, dass Chinas Auslandsvertretungen Einfluss auf kritische Journalisten im Ausland nehmen. So gab es gegen den in Toronto lebenden freien Journalisten Xin Feng Todesdrohungen, nachdem er in einem Artikel den chinesischen Ministerpräsidenten kritisiert hatte.

Weil China bisher keine große Rolle bei internationalen Medienkonferenzen spielt, hat die Führung entschieden, einfach eigene ins Leben zu rufen. So richtet die Cyberspace Administration of China, die ausgerechnet für die Zensur des Internets im eigenen Land zuständig ist, seit 2014 jährlich die World Internet Conference (WIC) in Wuzhen aus. Diese zielt darauf ab, Chinas repressive Vision von „Cyber-Souveränität“ salonfähig zu machen. Über den 2016 gegründeten BRICS Media Summit nimmt China Einfluss auf die Medienpolitik und -regulierung der wichtigen Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und Südafrika, konstatieren die Reporter ohne Grenzen in ihrem Bericht.

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