Divestment
Kardinal Christoph Schönborn, Vorsitzender der österreichischen Bischofskonferenz, erklärt im März in Wien die Beschlüsse der Frühjahrstagung der Bischöfe.
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Österreichs Katholiken verzichten auf Kohle

Österreichs katholische Kirche zieht ihr Vermögen aus klimaschädlichen Unternehmen zurück. Das hat die Bischofskonferenz bei ihrer Frühjahrsvollversammlung in Reichenau an der Rax beschlossen.

Die Entscheidung betrifft Investitionen in Unternehmen, die fossile Brennstoffe wie Kohle, Öl oder Erdgas fördern oder produzieren.  „Kirchliche Finanzmittel dürfen keine zerstörerische Wirkung auf das Klima haben“, heißt es in einer Erklärung der Bischöfe. Die Entscheidung steht im Einklang mit den ethischen Veranlagungsrichtlinien des Global Catholic Climate Movement (GCCM), eines 2015 gegründeten Zusammenschlusses katholischer Umweltgruppen aus aller Welt. Nach der belgischen und der irischen ist die österreichische erst die dritte Bischofskonferenz weltweit, die einen derartigen Entschluss öffentlich gemacht hat.

Laut Paul Wuthe, Pressereferent der Bischofskonferenz, betrifft der Rückzug nicht mehr als zwei Prozent des kirchlichen Vermögens. Die genaue Summe kann er nicht nennen, da neben den zehn Diözesen des Landes auch jeder andere kirchliche Rechtsträger, also etwa Pfarreien und Orden, Geld investiert haben können, über die die Bischofskonferenz keinen Überblick hat. Die fünfjährige Übergangsfrist sei nach seiner Kenntnis „im internationalen Vergleich durchaus ambitioniert“.

Der Beschluss von Reichenau verschärft die Anfang 2018 erlassenen Richtlinien für kirchliche Geldanlagen. Deren Ausschlusskriterien betreffen Bereiche wie Müllexport, Pestizide, Massentierhaltung, Lebensmittelspekulation und Glücksspiel. Verboten sind auch Geldanlagen bei Unternehmen, die von Abtreibung, Sterbehilfe oder der Nutzung embryonaler Stammzellen profitieren. Auch Atomkraft ist für Österreichs Kirche kein erlaubtes Investitionssfeld. Beteiligungen an einem kirchennahen Bankhaus habe man bereits abgestoßen, so Wuthe, weil es an ­einem Glücksspielkonzern beteiligt ist. Seit 2018 orientiert sich die Kirche am sogenannten Best-in-Class-Prinzip. Das bedeutet, mit dem finanziellen Engagement wolle man „Entwicklungen zum Guten initiieren und fördern“, wie es im Papier von Anfang 2018 heißt.

Die Abwendung von klimaschädlicher Energiegewinnung begann in Österreichs Kirche bereits als  Reaktion auf die 2015 von Papst Franziskus veröffentlichte Umwelt­enzyklika „Laudato si“. Seither investiert die Kirche verstärkt in erneuerbare Energien.

Die Koordinierungsstelle für internationale Entwicklung und Mission (KOO) begrüßt den Schritt der Bischöfe. „Mit ihrem Beschluss, die Divestment-Erklärung des Global Catholic Climate Movement zu unterzeichnen, hat sich die Österreichische Bischofskonferenz einer globalen Bewegung von über tausend Institutionen angeschlossen und ist konsequent dem Wissen gefolgt, dass das Verbrennen aller vorhandenen fossilen Energieträger zu unvorstellbaren Katastrophen führen wird“, sagt KOO-Geschäftsführerin Anja Appel. Hemma Opis-Pieber, die Sprecherin der kirchlichen Umweltbeauftragten, sagt, der Schritt zeige das Bestreben der österreichischen Bischöfe, „die Ziele des Pariser Klimaabkommens in ihrem Wirkungsbereich umzusetzen“.
Wo die frei gewordenen Gelder investiert werden sollen, weiß Bischofssprecher Wuthe nicht: „Da gibt es keine Vorgaben“. Aber es gebe ausreichend Alternativen.

erschienen in Ausgabe 6 / 2019: Arznei und Geschäft

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