Eritrea schließt katholische Krankenhäuser
Die katholische Kirche Lady of the Rosary in Asmara, der Hauptstadt Eritreas.
Eritrea schließt katholische Krankenhäuser

„Die Kirche mundtot machen“

Die unerwartete Annäherung an den Erzfeind Äthiopien vor einem Jahr hatte die Hoffnung genährt, dass sich auch innerhalb Eritreas die Lage verbessern würde. Dass dem offenbar nicht so ist, hat jetzt die katholische Kirche zu spüren bekommen.

Seit Mitte Juni sind alle Krankenhäuser, Gesundheitszentren und Kliniken der katholischen Kirche in Eritrea auf staatliche Anweisung geschlossen. In einigen Gesundheitseinrichtungen bedrohten Regierungssoldaten die Angestellten und zwangen die Patienten, ihre Betten zu verlassen und nach Hause zu gehen. Zum Teil verschafften sich das Militär und die Polizei mit Gewalt Zugang, berichten verschiedene katholische Hilfswerke. In einem offenen Brief an das Gesundheitsministerium protestieren die vier Bischöfe des Landes deutlich gegen die Maßnahmen: „Wir geben unser Eigentum nicht freiwillig und ohne Einverständnis her“, heißt es in dem Brief. Als Kirche sehe man sich verpflichtet und berechtigt, wohltätige Dienste am Volk zu leisten.

Offiziell begründet die Regierung in der Hauptstadt Asmara das Vorgehen mit einem Dekret aus dem Jahr 1995, das festlegt, dass alle privaten Gesundheits- und Bildungseinrichtungen vereinheitlicht und in staatliche Hand übergehen sollen. Auf dieser Grundlage wurden auch bereits andere Institutionen geschlossen wie zum Beispiel einige muslimische Privatschulen vor zwei Jahren.

Die katholische Kirche repräsentiert mit 120.000 Mitgliedern nur eine kleine Minderheit der fünf Millionen Einwohner Eritreas. Sie hat sich aber über all die Jahre ihre Unabhängigkeit bewahrt und gilt als eine der wenigen kritischen Stimmen innerhalb des Landes – im Unterschied zur sehr viel größeren eritreisch-orthodoxen Kirche, die seit mehr als 15 Jahren von einem Regierungsbeamten verwaltet wird, der auf zweifelhafte Weise dafür gesorgt hat, dass ein regimetreuer Patriarch an die Spitze der Kirche kam. Während die gesamte Opposition in den vergangenen Jahren entweder eingesperrt wurde oder ins Exil floh, scheuten sich die katholischen Bischöfe nicht, die Situation im Land öffentlich zu kritisieren und die Not der Geflüchteten anzuprangern.

Kritik von den Vereinten Nationen

Nach der Friedenserklärung mit Äthiopien vor einem Jahr hatte die katholische Kirche angemahnt, dass sich nun auch innerhalb Eritreas etwas ändern müsse und die Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit, der Gewaltenteilung und die 1993 verabschiedete Verfassung endlich in Kraft treten müssten. Erst zu Ostern dieses Jahres hatten die Bischöfe in einem Hirtenbrief erneut Vorschläge zum friedlichen Zusammenleben in Eritrea gemacht.

„Die Beschlagnahmung der Gesundheitseinrichtungen ist Teil der seit vielen Jahren geführten Politik der Nadelstiche gegen religiöse Institutionen“, sagt Hans-Peter Hecking, der Experte für Ostafrika bei Missio Aachen. Die Regierung wolle die Kirche „mundtot und handlungsunfähig machen“.

Kritik kommt auch von den Vereinten Nationen. Die UN-Sonderberichterstatterin für Menschenrechte in Eritrea, Daniela Kravetz, spricht in ihrem Bericht, der diese Woche vor dem UN-Menschenrechtsrat in Genf diskutiert werden soll, ausdrücklich von Christenverfolgung in Eritrea und nennt neben den jetzigen Schließungen auch die willkürliche Verhaftung von zahlreichen Christen. Seit Anfang Mai seien mehr als 170 von ihnen in Gewahrsam genommen worden, nur weil sie ihrem Glauben nachgingen, sagte Kravetz bei der Vorstellung des Berichts Ende Juni. Aus ihrer Sicht zeige die Beschlagnahmung der katholischen Gesundheitseinrichtungen, dass die Menschenrechtslage in Eritrea unverändert schlecht sei.

Von Christenverfolgung will Hecking allerdings nicht sprechen. „Es geht nicht nur allein um die Christen in dem Land. Das Regime will langfristig den gesamten religiösen Sektor gleichschalten und dazu gehören nicht nur die christlichen Kirchen mit ihren Bildungs-, Gesundheits- und Sozialeinrichtungen, sondern auch die Muslime.“ Mit Maßnahmen wie der Beschlagnahmung sollten religiöse Akteure mürbe gemacht werden. Schlimm sei in diesem Fall, dass es all die Menschen treffe, die auf die Versorgung durch die katholischen Einrichtungen angewiesen sind. „Die gesamte Gesundheitsversorgung in dem Land ist erbärmlich. Der Staat ist doch jetzt schon nicht in der Lage, der Bevölkerung ausreichend Zugang zu medizinischer Versorgung zu ermöglichen“, sagt Hecking.

Kommentare

Katja Buck hat wieder zugeschlagen…
Wer am 2. Juli 2019 einen Bericht über die Schließung katholischer Krankenhäuser schreibt und mit keinem Wort die Stellungnahme der eritreischen Regierung zu dem Vorgang erwähnt, der handelt journalistisch unsauber. Das ist politische Meinungsmache wie man sie von Katja Buck gewohnt ist. Recherche? Fehlanzeige! Ausgewogene Berichterstattung? Fehlanzeige. Gibt es bei welt-sichten keinen Chefredakteur, der seinen Schreibern mal beibringt, wie Journalismus funktioniert?
Jeder Volontär einer Tageszeitung hört es jeden Tag: Bitte immer beide Seiten anhören und dann schreiben. Für politische Agitatoren à la Buck, die in einem interreligiösen Magazin schreiben, gilt das anscheinend nicht. Was das „Domradio“ fertigbringt, nämlich auch die eritreische Seite zu Wort kommen zu lassen, das kriegt die gute Frau nicht auf die Reihe.
Oder will Sie das einfach nicht?
Wenn es um die Gesundheitsversorgung in Eritrea geht: Das Zitat von Hans-Peter Hecking, Experte für Ostafrika bei Missio Aachen, in diesem Bericht, dass „die Gesundheitsversorgung im ganzen Land erbärmlich“ sei, ist – man kann es nicht anders nennen - „erbärmlich“!
Eritrea erreichte als einziges afrikanisches Land die Milleniumsziele der UN im Gesundheitssektor, wird dafür international ausgezeichnet, WHO und UNICEF bezeichnen das Modell der Gesundheitsversorgung in Eritrea als vorbildlich (jeder Bewohner findet in einem Radius von 10 Kilometer eine Klinik), jede Zoba (Region) hat gut ausgestattete Regionalkrankenhäuser.

Sehr geehrter Herr Zimmernmann,

besten Dank für Ihren Kommentar, auf den ich im Namen der Redaktion "welt-sichten" antworte. Ich finde sehr bedauerlich, dass Sie über Ihre Kritik an diesem Artikel hinaus unsere Autorin Katja Buck persönlich angreifen und beschimpfen. Das weise ich zurück. Schade, dass Sie offenbar nicht in der Lage sind, Ihre Kritik einigermaßen sachlich vorzubringen.

Zu Ihrer Kritik selbst: Der Artikel erwähnt im zweiten Absatz, wie die Regierung von Eritrea ihren Schritt begründet. Ich gebe zu, das ist sehr verkürzt und wir hätten durchaus noch ein, zwei Sätze aus der Begründung zitieren können. Dass aber die Regierung "mit keinem Wort" vorkommt, wie Sie behaupten, ist falsch.

Zur Gesundheitssituation in Eritrea steht in dem Artikel nichts - außer dem, was Hans-Peter Hecking von Missio Aachen dazu zu sagen hat. Danke für den Hinweis, dass die WHO und UNICEF die Lage offenbar anders einschätzen.

Tillmann Elliesen, welt-sichten

Wenn man die Entwicklung in den letzten 27 Jahren in Eritrea betrachtet, kann man nur sagen, ein kleines Land hat mit begrenzten eigenen Mitteln aus eigener Kraft viel aufgebaut. Man hat die Religionen 50 % Muslime - 50 % Christen gleich respektiert und somit Stabilität im Land erhalten. In den gesamten Jahren wurde die Infrastruktur nach 30 Jahren Befreiungskrieg gegen die Unterdrückung durch Äthiopien anschließend enorm verbessert. Es wurde in den größeren Städten im Land Krankenhäuser gebaut, in den ländlichen Gebieten Krankenstationen. Es besteht ein regelmäßiger Austausche von Ärzten in Deutschland, z.B. Hammer Forum und Archemed, die in kurzen Abständen vor Ort sind, um die dort arbeitenden eigenen Ärzte fortzubilden und die im Land neu ausgebildeten anzuleiten.
Die kath. Kirche sollte daher die Institutionen des Landes unterstützen. Sie sollte jedoch nicht, wie hier in Deutschland, als Staat im Staate agieren, was nicht funktioniert hat (siehe Missbrauchsfälle mit eigener in Jahrzehnten nicht funktionierenden Eigengerichtsbarkeit).

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