Evangelische Mission
Die VEM ist internationaler geworden: gemeinsames Abendmahl beim Kirchentag auf Borkum.  
Evangelische Mission

Das Experiment der Kirchengemeinschaft

Die Vereinte Evangelische Mission in Wuppertal hat Geschichte geschrieben: Sie hat sich vom Missionswerk, das Missionare nach Übersee schickt, radikal gewandelt zur Gemeinschaft gleichberechtigter Kirchen auf drei Kontinenten.

Mehr als 200 Jahre lang war christliche Mission eine Einbahnstraße: Geld, Know-how und Missionare gingen in den Süden, um den Menschen dort das Evangelium zu verkünden. „Zeugen sein bis ans Ende der Erde …“, wie es in der Apostelgeschichte heißt. Ausschließlich weiße Missionare und ihre Frauen schickten evangelische Missionsgesellschaften in Deutschland und ganz Europa aus, um die biblische Botschaft unter „Eingeborenen“ zu verbreiten und mit ihr die westliche Zivilisation – von Namibia bis China, vom Libanon bis Westpapua.

Mission im 18. und 19. Jahrhundert verlief von Norden nach Süden. Das änderte sich erst in den 1970er- und 1980er-Jahren: Mit der beginnenden Globalisierung wandelte sich nicht nur das Verständnis von der „Dritten Welt“ hin zur „Einen Welt“, sondern auch die Missionstheologie. Ehemalige Tochterkirchen wurden zunächst zu Partnerkirchen und dann bei einigen Missionswerken – nämlich 1996 bei der Wuppertaler Vereinten Evangelischen Mission (VEM) und 2012 bei der Stuttgarter Evangelischen Mission in Solidarität (EMS) – zu gleichberechtigten Mitgliedern. Das war revolutionär, denn das alte patriarchale Machtgefälle wurde aufgekündigt: Die Geschwister im Süden sollten nicht mehr Objekte der Mission sein, sondern gleichberechtigte Akteure.

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erschienen in Ausgabe 9 / 2019: Mission und Macht

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