Städte verbinden Nord und Süd

Städtepartnerschaften nutzen sowohl den Kommunen in Deutschland als auch den Partnergemeinden in Afrika, Asien und Lateinamerika. Der Deutsche Städtetag ermutigt deutsche Kommunen deshalb zu einem größeren Engagement. Auf einer Veranstaltung des Eine-Welt-Netzwerks Bayern Ende Juli in München wurden aber auch Mängel benannt.

20 bayerische Kommunen unterhalten zur Zeit Partnerschaften mit Städten in der Dritten Welt bei insgesamt 1126 Städteverbindungen im Freistaat. „Diese Partnerschaften sind schwieriger – wegen der Entfernung, der anderen Kultur, der höheren Kosten und der Unsicherheit in Krisengebieten“, sagt Siegfried Schneider, der Leiter der Bayerischen Staatskanzlei. Dennoch wolle er „Kommunen ermutigen, diese Schritte zu wagen“. Mit ihrem Engagement ermöglichten sie Begegnung, Verständigung und leisteten Hilfe zur Selbsthilfe bei ihren Partnern.

Für Sabine Drees, Auslandsreferentin des Deutschen Städtetages, gehören globale Aktivitäten von Städten zu den Bemühungen, ihre Attraktivität für Unternehmen zu erhöhen. Der Städtetag rufe ausdrücklich zu Partnerschaften mit Kommunen in Afrika, Asien und Lateinamerika auf. „Kommunale Selbstverwaltung ist ein Exportschlager“, betonte sie. Städte könnten zwischen nationaler und internationaler Ebene und den Bürgern vermitteln. In Krisenregionen wie im Nahen Osten trügen sie zur Entspannung bei, wie die Beziehungen Kölns zu Städten in Israel und Palästina zeigten.

Dennoch gibt es auch Grenzen kommunalen Engagements. „Viele Einzelprojekte stehen oft unkoordiniert nebeneinander“, kritisiert Drees. Städte seien in der gleichen Region aktiv, ohne voneinander zu wissen. In Spanien, Frankreich und Norwegen sind Kommunen dagegen mit festen Budgets in die nationale Entwicklungszusammenarbeit eingebunden. In Deutschland diskutiert derzeit die neu gegründete Arbeitsgruppe Kommunen im Bund-Länder-Ausschuss Entwicklungszusammenarbeit den gewachsenen Stellenwert des Engagements von Kommunen. Im Oktober will sie dazu ein Positionspapier verabschieden.

Wie auch kleinere Kommunen mit vergleichsweise geringen finanziellen Ressourcen viel erreichen können, zeigt Neumarkt in der Oberpfalz. Neumarkt ist auf dem Weg, die erste bayerische Fair-Trade-Stadt zu werden. Die Kommune hat 2007 einen Beschluss zur nachhaltigen Beschaffung gefasst und ein Hundert-Dächer-Plus-Programm zur Förderung der Solarenergie verabschiedet. Ferner gehört sie zum „Konvent der Bürgermeister“, einer Vereinigung von europäischen Pionierstädten im Klimaschutz, die eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes um 20 Prozent bis 2020 anstreben. „Man kann die Probleme nicht nur global lösen, sondern muss sie lokal angehen“, betonte Bürgermeisterin Ruth Dorner. Nur die Partnerschaft mit einer Stadt im Süden fehlt noch. Beziehungen zu Togo bestehen bereits, die Oberpfälzer streben eine formelle Städteverbindung an.

erschienen in Ausgabe 9 / 2009: Medien: Die heiße Ware Information
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