Bewegungsmelder
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"Ich merkte, wie spannend Medizin ist und wie hilfreich"

Wir fragen Menschen aus der Szene, was sie bewegt und und wo sie an Grenzen stoßen. Dieses Mal: Ärztin Uta Fröschl von der Christoffel-Blindenmission.

Uta Fröschl ist Hals-Nasen-Ohren-Ärztin und arbeitet für die Christoffel-Blindenmission in Äthiopien.
Wie sind Sie zum Entwicklungsdienst gekommen?
Ich habe nach dem Abitur ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem entlegenen Dorf in Tansania gemacht. Dort habe ich an einer Schule Englisch und Erdkunde unterrichtet. Es gab weder Strom noch fließendes Wasser, aber eine kleine Krankenstation, in der ich einen großen Teil meiner Freizeit  verbrachte. Ich merkte, wie spannend Medizin ist und wie hilfreich. Zurück in Deutschland, studierte ich Medizin, und als ich nach meiner Facharztausbildung las, dass die Hermannsburger Mission eine HNO-Ärztin für Botswana suchte, war ich sofort dabei.

Was mögen Sie am meisten an Ihrer Arbeit?
Ärzte sehen an ihren Patienten unmittelbar die Erfolge ihres Wirkens - das motiviert enorm. Auch an der Ausbildung mitzuwirken ist sehr befriedigend. Äthiopien hat 105 Millionen Einwohner, aber nicht einmal 40 Hals-Nasen-Ohren-Ärzte. Momentan arbeite ich in einem Team mit drei äthiopischen und zwei kubanischen Ärzten – dieses Jahr werden voraussichtlich sechs junge Ärzte bei uns ihre vierjährige Fachausbildung abschließen.

Gibt es ein typisches Problem, mit dem Patienten zu Ihnen kommen?
Es kommen oft Kinder zwischen 12 und 18 Jahren, die seit Jahren schlecht hören. Durch eine schlecht verheilte Mittelohrentzündung haben sie ein kleines Loch im Trommelfell. Sobald wir das operieren, hören sie viel besser – und können sich auf einmal ganz anders am Schulunterricht beteiligen oder auch von einer Berufsausbildung profitieren. Es geht hier ganz klar darum, den Kreislauf von Armut und Benachteiligung zu durchbrechen.

Wie abgeschottet leben Sie als „Westlerin“ in Adis Abeba?
In der äthiopischen Hauptstadt gibt es keine ausgesprochenen Armen- und Reichenviertel, die Wohngegenden sind sehr durchmischt. Unsere Straße umfasst teure Villen, kleine Wohnhäuser und Mietshäuser, und ich brauche, wenn ich durch die Stadt gehe, zumindest tagsüber nicht mehr Vorsicht walten zu lassen als etwa in Berlin. Dennoch hindert uns die Sprachbarrierre (Amharisch ist eine sehr schwer zu lernende Sprache), mehr Kontakte zu der „normalen“ Bevölkerung zu haben, da diese kein Englisch spricht.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?
Am liebsten draußen in der Natur, in den Bergen oder am Meer, zusammen mit meiner Familie. Adis Abeba liegt zwar 2500 Meter hoch und ist nie unerträglich heiß. Aber den vielen Autos und dem Großstadtdreck entfliehen wir alle gern.

Das Gespräch führte Barbara Erbe

erschienen in Ausgabe 10 / 2019: Ab in die Steueroase

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