Mitbestimmung
Das Netzwerk der ASA-Teilnehmer soll auch an der inhaltlichen Weiterentwicklung des Programms mitwirken: Diese Beteiligung sehen manche nun gefährdet.
Mitbestimmung

Knatsch ums ASA-Stipendienprogramm

Das sogenannte ASA-Programm ermöglicht jungen Menschen Praktika im Ausland. Nun beschweren sich ehrenamtliche Teilnehmende, dass ihre Mitwirkung daran beschnitten werde. Der Träger Engagement Global weist die Vorwürfe zurück.

Jährlich vergibt das ASA-Programm rund 300 Stipendien an Studierende und Berufstätige, damit sie einige Monate in Afrika, Asien, Lateinamerika oder Südosteuropa Erfahrung sammeln – in nichtstaatlichen Organisationen, Institutionen der Entwicklungszusammenarbeit, Unternehmen oder Hochschulen. Der Bund hat das Programm im Jahr 2018 mit 2,3 Millionen Euro gefördert.

Ein Herzstück sind begleitende Seminare vor und nach der Projektzeit und die Vernetzung der Teilnehmenden, die sich an „Planung, Durchführung und Auswertung des Programms“ beteiligen sollen, wie es in den Statuten heißt. Ausgerechnet diese Mitwirkung werde nun beschnitten, beklagen Netzwerk-Vertreter. In einer Online-Petition fordern sie das Entwicklungsministerium und den Träger Engagement Global auf, laufende Strukturreformen auszusetzen, weil diese die zivilgesellschaftliche Mitbestimmung beenden würden. Für die inhaltliche Weiterentwicklung habe man in den vergangenen Jahren verstärkt „postkoloniale, rassismuskritische und diskriminierungssensible Themen“ eingebracht, heißt es. „Diese Schwerpunktsetzung ist mit Abschaffung der etablierten Mitbestimmungsstrukturen und Arbeitsweisen bedroht.“

Konkret dreht der Streit sich um die Programmkommission, die bisher paritätisch mit Ehren- und Hauptamtlichen besetzt war und strategische Entscheidungen getroffen hat. Sie soll in dieser Form beendet werden, erläutert die ehemalige Vertreterin Yvonne Wechuli. Dem Träger sei die Mitbestimmung von Ehrenamtlichen wohl zu schwierig und das Austragen inhaltlicher Konflikte zu anstrengend.

Keine Mitbestimmung

Engagement Global weist die Vorwürfe zurück. Ein Programm-Beirat habe im Oktober ausführlich über Möglichkeiten der Mitbestimmung diskutiert – auch mit gewählten und nicht gewählten Vertretern des ASA-Netzwerks. Zudem habe die Programmkommission im ersten Quartal getagt, ein Treffen im zweiten Quartal sei mangels Zusagen aus der gewählten Ehemaligenvertretung abgesagt worden. Statt der Hauptversammlung habe ersatzweise ein Austausch über die Reformen auf einem Seminar im September stattgefunden. Dazu seien alle gewählten Vertretenden von Ehemaligen sowie weitere Beteiligte eingeladen worden.

Die Urheber der Petition fühlten sich dagegen bei dem Seminar vor vollendete Tatsachen gestellt, ohne vorherige Beteiligung an der Reform. Für sie steht auf dem Spiel, ob gewählte Netzwerk-Vertreter weiter aktiv mitentscheiden oder nur beratend gehört werden. Auf eine „Mitbestimmung“ will Engagement Global sich indes nicht festlegen: Wie es heißt, sollen „Mitgestaltung, Mitwirkung und das Engagement der ehemaligen Teilnehmenden“ durch unterschiedliche Beteiligungsformen „weiterhin gefördert“ werden.

erschienen in Ausgabe 12 / 2019: Armut: Es fehlt nicht nur am Geld

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