Ecuador
Die Ölindustrie hat am Amazonas nicht die versprochene Entwicklung gebracht: Eine Mutter mit ihrem Kind wäscht 2012 die Wäsche in einem Fluss in unmittelbarer Nähe einer Ölpipeline.
Ecuador

Das Öl als Fluch – und einzige Hoffnung

Im Amazonasgebiet Ecuadors leiden viele Menschen unter den Umweltschäden der Erdölförderung. Warum möchten sie dann, dass die Förderung noch ausgeweitet wird?

Maria ist Mitte dreißig und lebt mit ihrer Familie in einer kleinen Gemeinde von Siedlern im nördlichen Amazonasgebiet Ecuadors. Die Region ist von der Ölförderung geprägt: Ölpipelines, Arbeiter und Ausrüstung des Ölunternehmens sind omnipräsent, und immer wieder läuft Öl aus lecken Pipelines aus. Rund 500.000 Tonnen Erdöl pro Tag fördert Ecuador; in Venezuela sind es 700.000 Tonnen und in den Arabischen Emiraten drei Millionen Tonnen. 

Fragt man Maria nach den Auswirkungen der Ölindustrie, dann sagt sie, die habe sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch schädliche Folgen für die Entwicklung ihrer Heimatgemeinde und für ihre eigene Familie. Trotzdem ist sie dafür, dass die Ölförderung in der Nähe weiter ausgebaut wird, weil das Öl-Unternehmen vielleicht Arbeitsplätze für Mitglieder ihrer Familie schaffen würde. Es scheint paradox, dass Menschen oder Gemeinden überzeugt sind, die Ölförderung habe schädliche Folgen für ihre Wohlfahrt, und dennoch deren Ausweitung unterstützen. Aber diese Haltung ist in der Region kein Einzelfall. 

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erschienen in Ausgabe 4 / 2020: Willkommen – oder nicht?

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