Bildung im Flüchtlingslager
Im improvisierten Klassenraum lernen die Rohingya-Kinder jeden Tag bei Amir Hossain. Die Regierung von Bangladesch macht es Hilfsorganisationen schwer, ein gutes Bildungs­angebot zu schaffen.
Bildung im Flüchtlingslager

Lechzen nach Wissen

Rund eine Million aus Myanmar vertriebene Rohingya leben in Flüchtlingslagern in Bangladesch. Um den Kindern wenigstens etwas Bildung zu geben, unterrichten Lehrer sie ehrenamtlich – unter strenger Kontrolle der Regierung.

Als die Sonne in den engen Gängen des staubigen Flüchtlingslagers im Osten Bangladeschs aufgeht, hat Lehrer Amir Hossain seine ersten Unterrichtsstunden schon absolviert. Der Mann vom Volk der Rohingya hat die Bambushütte, in der er mit seiner Familie lebt, in eine Schule mit drei winzigen Klassenräumen umfunktioniert. Der Andrang war so groß, dass er im Laufe der Jahre sogar Nachbarn bitten musste, Räume an ihn zu vermieten. Die Wände seiner Schule sind mit Kinderzeichnungen und motivierenden Sprüchen verziert, von der Decke hängen bunte Tücher.

Es ist eng. Überall liegen Schuhe, auf dem Betonboden sind Decken und Matten ausgelegt, auf denen sich dicht aneinander gedrängt mehrere Schüler über ihre Hefte beugen. Viele tragen Mützen, es ist kalt an diesem Wintermorgen in Bangladesch. Nebenan scheppern die blechernen Türen der Nachbarn. Babys schreien.

...

erschienen in Ausgabe 4 / 2020: Willkommen – oder nicht?

Neuen Kommentar schreiben