Corona
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Lernen von Ostasien

In Ostasien ist es ohne allgemeine Kontaktbeschränkungen wie in Europa gelungen, die Corona-Pandemie einzudämmen. Was man daraus lernen kann, zeigt eine neue Studie.

Die Volksrepublik China inszeniert sich als Vorbild für den entschlossenen Kampf gegen die Covid-19-Epidemie. Doch fünf ihrer Nachbarländer haben das Virus unter Kontrolle bekommen, bevor Ausbrüche mit exponentiellen Zuwachsraten wie in Wuhan auftreten konnten: Singapur, Hongkong, Taiwan, Südkorea und Japan. Sie haben so – anders als China, Europa und die USA – einen Lockdown mit den entsprechenden wirtschaftlichen und sozialen Schäden zumindest bis April vermieden, schreiben Fachleute des Institut Montaigne in Paris. Wie das gelungen ist, schlüsseln sie in ihrer neuen Studie im Detail auf.

Entscheidend war, dass die Regierungen die Gefahr aus Wuhan bereits erkannten, als Chinas Regierung sie noch unter der Decke zu halten suchte und die Weltgesundheitsorganisation noch nicht Alarm schlug. Zudem waren die Länder nach der Erfahrung der SARS-Epidemie von 2002-2003 auf solche Fälle vorbereitet. Mit einer Kombination verschiedener Maßnahmen konnten sie Infektionen sofort aufspüren und die Infizierten schnell isolieren. Dies, so die Studie, ist die einzige Alternative zu Lockdowns und nur möglich, bevor die Zahl der Infizierten in die Tausende geht – oder aber nachdem sie, wie im Fall Chinas, wieder darunter gedrückt worden ist. Diese Alternative, so der implizite Rat, sollten Europa und Amerika anstreben.

Eine Diktatur braucht man für Seuchenkontrolle nicht

Im Einzelnen gingen die ostasiatischen Länder unterschiedlich vor; so war Japan eher zurückhaltend beim Einsatz von digitaler Technik, Taiwan setzte sie zur Überwachung der Quarantäne ein. Doch entscheidend war immer eine Kombination von Tests, Nachverfolgung, strengen Quarantäneregeln, Aufklärung, der Produktion von Schutzvorrichtungen wie Masken sowie anderen Mitteln – nichts davon genügt allein. Gesichtsmasken haben sich in Japan als nützlich erwiesen, schreiben die Fachleute: Dass dort kein Infektionsherd in überfüllten öffentlichen Bahnen und Bussen identifiziert wurde, dürfte auch den Masken zu verdanken sein.

Eine weitere Lehre lautet: Eine Diktatur braucht man für Seuchenkontrolle nicht; Demokratien wie Japan, Taiwan und Südkorea haben jeweils eigene erfolgreiche Wege gefunden. Und am Erfolg in der Volksrepublik zweifeln die Fachleute: Die Statistiken seien überall problematisch, aber für China zeigten die veröffentlichten Zahlen einen Verlauf der Epidemie, der in mehrerer Hinsicht unwahrscheinlich sei.

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