SDG 11: Zurück zu den Wurzeln

Markus Plate

Gestampfte Erde, Weinflaschen und Rundhölzer: zwei Ökohäuser von Alejandra Caballero.

 

Nachhaltige Städte
Die Architektin Alejandra Caballero will dem ökologischen Bauen in Mexiko zu einem Comeback verhelfen.

Alejandra Caballero knattert mit ihrem feuerroten VW-Käfer durch den mexikanischen Bundesstaat Tlaxcala zu einem Kunden. Vor 30 Jahren hat sich die 59-Jährige dem ökologischen Bauen verschrieben, als „überall in Mexiko traditionelle Bautechniken in Vergessenheit gerieten“. Ein Haus aus Erde war damals Synonym für Armut, und seit dem großen Erdbeben von 1985 galten traditionelle Adobe-Lehmziegelhäuser als unsicher und rückständig. Stattdessen ergrauten Mexikos Dörfer. Dass Beton kein gesundes Raumklima erzeugt, dass er längst nicht so haltbar ist wie von der Industrie versprochen und dass die Zementindustrie zu den klimaschädlichsten Branchen zählt – das lernten Hauseigentümer erst mit der Zeit.

Seit zehn Jahren aber gibt es in Mexiko einen Trend zurück zum natürlichen Bauen und Wohnen, und Alejandra Caballero ist Pionierin darin. Die Architektin baut erdbebensicher mit Lehm, Sand und Stroh, mit Altglas, Holz und Bambus, rekonstruiert alte Techniken und tauscht sich international über neue aus. Zweimal im Jahr bietet sie fünfwöchige Intensivkurse an, die bei Handwerkern und zukünftigen Bauleuten beliebt sind. Dort lernt man, Wände aus Lehmziegeln, aus Lehm-Strohkugeln, aus Stampferde, als Fachwerk oder mit Strohballen zu errichten. Daneben ist Caballero in verarmten Dorfgemeinschaften unterwegs, um auch hier dem Ökobau zu einem Comeback zu verhelfen: „Im Gegensatz zu Fertigbauteilen ist es das große Plus des ökologischen Bauens, dass mehr für Arbeitskraft als für Material ausgegeben wird. Das Geld zirkuliert also innerhalb des Dorfes“, sagt sie.

Überhaupt denkt Caballero ganzheitlich: Allein mit nachwachsenden Rohstoffen zu bauen, sei keine Garantie für einen kleinen ökologischen Fußabdruck. Die Materialien müssen lokal verfügbar sein. „Was bringt mir ein Ökohaus, wenn ich exotische Materialien von weither heranschaffen muss, wenn ich Wasser verschwende, wenn ich vorher die Bäume auf meinem Grundstück gefällt habe?“ Zum ökologischen Bauen gehöre auch ein veränderter Lebensstil: Die Architektin propagiert Trockenklos, die Abwasser sparen und Kompost liefern, sowie weniger Fleischkonsum und plastikfreies Einkaufen.

Zum nächsten Termin. Das Auto ist auf dem Land für Alejandra Caballero unverzichtbar. Und so muss der VW Käfer noch einige Jahre halten. Sein ökologischer Fußabdruck sei eben geringer als der eines neuen E-Autos.
Markus Plate

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erschienen in Ausgabe 7 / 2020: Der Plan für die Zukunft?
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