Pakistan
Trauer um einen Schüler, der von Taliban Ende 2014 in Peschawar getötet wurde. Nach diesem Anschlag mit fast 150 Toten verloren die Dschihadisten in Pakistan ihren Rückhalt. zohra bensemra/reuters
Pakistan

Ein Anschlag zu viel

Früher hat das pakistanische Militär dschihadistische Gruppen für außenpolitische Zwecke genutzt. Doch dann eskalierte die Gewalt in Pakistan selbst – und die Armee änderte ihren Kurs.

Über die pakistanische Gesellschaft und Politik ist in Europa wenig bekannt. Interesse bestand in den vergangenen 20 Jahren überwiegend dann, wenn Pakistan als Faktor des Krieges in Afghanistan wahrgenommen wurde oder spektakuläre Gewaltakte die Aufmerksamkeit auf sich zogen. Das Land wurde und wird noch immer vor allem als „gefährlich“ wahrgenommen, als Brutstätte des islamischen Extremismus und des Terrorismus. Und auch wenn das Klischee dem Land nie auch nur annähernd gerecht wurde, so gab es in den beiden vergangenen Jahrzehnten doch tatsächlich ein außergewöhnlich hohes Gewaltniveau durch Terrorismus, konfessionelle Attentate und regionale Quasi-Bürgerkriege. 

Die Welle der Gewalt begann mit dem „Krieg gegen den Terror“, der die innen- und die außenpolitische Landschaft Pakistans grundlegend veränderte. Zuvor hatte es – im Jahr 2000 – insgesamt 166 Todesopfer durch politische Gewalt gegeben. Im Jahr 2009 erreichte die Zahl der Toten mit mehr als 11.300 ihren Höhepunkt, seit 2014 ist sie wieder deutlich gesunken: 2019 waren nur noch 365 Todesopfer zu beklagen. Insgesamt sank das Gewaltniveau vom Niveau eines faktischen Bürgerkrieges auf das von bandenmäßiger Gewaltkriminalität. Auch wenn es nach wie vor zu Anschlägen kommt, so wie im Juni auf die Börse in Karachi, herrscht heute in Pakistan das Gefühl vor, den Kampf gegen den Terrorismus gewonnen und die Gewalt unter Kontrolle gebracht zu haben. Insbesondere das pakistanische Militär betont gern seinen Erfolg gegen die terroristischen Gruppen. 

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erschienen in Ausgabe 9 / 2020: Die wahre Macht im Staat?

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