Marokko
Ein Traum aus Glas und Beton: Der 2008 gebaute Bahnhof in Marrakesch (Marokko).
Marokko

Protzbauten nur für die Wirtschaftszentren

In Marokko setzt König Mohammed VI. voll auf Modernisierung. Deutsche Wirtschaftsvertreter loben das, während die marokkanische Bevölkerung mit den Schattenseiten zu kämpfen hat.

Bahnhöfe in Marokko sind Bauten der Superlative, überdimensionierte Träume aus Glas und Beton. Der Bahnhof Rabat Agdal soll nicht weniger als der größte Afrikas sein. Von hier fährt der Hochgeschwindigkeitszug Al Boraq aus der Wirtschaftsmetropole Casablanca kommend weiter in Richtung Tanger im Nordwesten des Landes. Langsam rollt er durch die Vororte von Rabat, nimmt dann aber zu­sehends Fahrt auf. Hinter der Stadt Kenitra erreicht er auf schnurgerader Strecke mit über 320 Stundenkilometern seine Spitzengeschwindigkeit.

Der erste Hochgeschwindigkeitszug in Afrika braust vorbei an Wellblechhütten, kleinen Dörfern und weidenden Schafen. Man sieht Frauen, die mit gebücktem Rücken auf Feldern arbeiten, und Bauern, die auf Pferde- oder Eselskarren Waren transportieren. Der Kontrast zwischen dem hochmodernen Zug und dem Landleben entlang der Strecke könnte kaum größer sein.

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erschienen in Ausgabe 9 / 2020: Die wahre Macht im Staat?

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