Arbeit in internationalen Organisationen
Arbeit in internationalen Organisationen

Teil einer globalen Gemeinschaft

Längst arbeiten in internationalen Organisationen auch viele Menschen aus Entwicklungsländern. Drei von ihnen erklären, wofür sie sich einsetzen.

„Meine schwierigste Aufgabe ist, schlechte Nachrichten zu überbringen“

Unita Ndou (Zw. v. r.), 48, ist Sozialarbeiterin beim Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in Simbabwe und Südafrika.
Ich bin humanitäre Helferin von Herzen. Geboren wurde ich in Beitbridge in Simbabwe, einer der belebtesten Grenzstädte im südlichen Afrika. Dort begünstigen poröse Grenzen heute noch die irreguläre Migration. In meiner Kindheit wurde ich Zeugin, wie Menschen aus Südafrika zurückkehrten, nachdem sie von bewaffneten Banden ausgeraubt oder vergewaltigt worden waren. 

Als Studentin engagierte ich mich freiwillig in meiner Heimatstadt. Im humanitären Bereich arbeite ich seit 2006, zunächst für die Internationale Organisation für Migration, seit 2014 für das Internationale Komitee vom Roten Kreuz. Meine Erfahrung im Migrationsbereich und die Ziele der Organisation – das passte von Beginn an gut zusammen. 

Familien in Simbabwe kommen auf mich zu, um ihre verschollenen Verwandten in Südafrika ausfindig zu machen. Der Kontakt reißt oft ab aufgrund fehlender Mobilverbindungen, längerer Gefängnis- und Krankenhausaufenthalte oder wegen psychischer Erkrankungen infolge der Migration. Dann suche ich nach den Vermissten und unterrichte die Familien über die Ergebnisse. Unseren Erfolg messen wir am Aufwand, den wir in einen Fall stecken, von dem Moment, an dem wir die Daten einer vermissten Person sammeln, über den Fahndungsprozess bis hin zum Feedback an die Familie. 

Meine schwierigste Aufgabe ist, schlechte Nachrichten zu überbringen – vor allem wenn wir herausfinden, dass ein vermisster Migrant tot ist. Wenn die Umstände des Ablebens völlig unklar sind, lässt das viele Familien verzweifeln. Oft rührt es sie zu Tränen, wenn das IKRK ihnen ein offenes Ohr gibt, wenn sie erkennen: Da ist jemand, der ihren Schmerz und ihren Verlust versteht. Andererseits ist es wie eine Belohnung, zu wissen, dass manche gesuchte Migranten noch leben, und Familien zu vereinen. Meinen Job aufzugeben hieße, die Familien, die auf uns zählen, im Stich zu lassen.

Aufgezeichnet von Markus Schönherr.

„Mich treibt der Wunsch an, anderen zu helfen“

Ludmilla Guimarães Abreu, 29, ist brasilianische Missionarin in Mosambik für Pastoral da Criança.
Ich bin im Bundesstaat Minas Gerais in Brasilien geboren und aufgewachsen. Dort habe ich auch meinen Abschluss in Tourismus gemacht und als Reisebüroleiterin gearbeitet. Ich habe immer viel Sozialarbeit für die Gemeinde Árvore da Vida geleistet, die mit der Pastoral da Criança verbunden ist. Ich habe in einem Pflegeheim und in Erholungsheimen für Drogenabhängige geholfen.

Die Koordinatorin unserer Gruppe war 2017 in Mosambik, und der damalige Bischof von Gurué, der inzwischen verstorbene Francisco Lerma Martinez, lud sie ein, eine alte Mission aus der Kolonialzeit zu übernehmen, die seit 1985 wegen des Bürgerkriegs keine ansässigen Missionare mehr hatte. Wir nahmen die Bitte an, und 2018 haben ich und drei weitere Missionare unsere Arbeit in Moneia begonnen, einem ländlichen Dorf in Sambesi, im Norden des Landes.

Mich hat immer der Wunsch angetrieben, anderen zu helfen, und da ich die Bedürfnisse der Familien von Moneia kannte, nahm ich diese Herausforderung an. Es ist eine arme Region, in der nicht einmal der Zugang zu Wasser gewährleistet ist. Die Menschen müssen kilometerweit laufen, um eine Quelle zu erreichen.

Ich arbeite mit Kindern, Frauen und Jugendlichen und bin verantwortlich für die Ausbildung lokaler Führungskräfte, für das Angebot von Hygiene- und Gesundheitserziehung, und ich überwache die Entwicklung von schwangeren Frauen und Kindern bis zu sechs Jahren. Alle sind sehr empfänglich, und trotz kultureller Unterschiede schaffen wir Bindungen.

Wir stehen vor einigen Herausforderungen: Das sind vor allem die Mängel im Gesundheitswesen und die Perspektivlosigkeit der Menschen, die viele Jahre des Krieges erlebt haben. Es ist jedoch erfreulich zu wissen, dass meine Arbeit die besten Lebensbedingungen für Kinder bietet und dass diese Betreuung ihre Zukunft bestimmen wird. Deshalb versuche ich immer dann, wenn etwas nicht wie geplant läuft, neue Wege zu finden, um meine Ziele zu erreichen.

Ich glaube, dass die Zusammenarbeit zwischen den Ländern wesentlich ist, um die Armut zu überwinden. Vor allem, wenn es nicht nur darum geht, Geld zu schicken, sondern auch um die Arbeit von Angesicht zu Angesicht, bei der wir die Realität der Bevölkerung verstehen und uns mit ihr verändern können.

Aufgezeichnet von Sarah Fernandes.

„Als humanitärer Helfer muss ich geduldig sein“

Salem Ja‘afar Baobaid leitet die humanitäre Arbeit der Nothilfeorganisation Islamic Relief in der jemenitischen Provinz al-Hudaida.
Ich arbeite seit mehr als vier Jahren in al-Hudaida; davor war ich in anderen Provinzen tätig. Ich habe diese Art Arbeit gewählt, weil ich Teil der weltweiten humanitären Gemeinschaft sein möchte, die Zeit und Anstrengung darauf verwendet, Leben zu retten und unseren Planeten zu einem besseren Ort zu machen. An meiner Arbeit gefällt mir, dass sie immer wieder ein Lächeln auf entnervte Gesichter von Menschen zaubert, die unter Armut und Unsicherheit als Folge von Krieg leiden, die gefährdet und stark betroffen sind und denen wir helfen. Ich mag es nicht, wenn Zwänge unsere humanitären Bemühungen behindern, Leben zu retten – besonders in schwer zugänglichen Gebieten, in denen der größte Teil der Bevölkerung dringend Hilfe benötigt. Aber als humanitärer Helfer muss ich geduldig sein und spüren, wo unsere Anstrengung glückliche Wirkungen hat.

In meiner täglichen Arbeit messe ich den Erfolg daran, wieweit wir Indikatoren erfüllen und nachhaltige Projektergebnisse erreichen. Wir gehen logisch, vernünftig, geduldig und beharrlich voran, um all die frustrierenden Erfahrungen zu bewältigen. Unsere Aufgabe ist umfassend und inspirierend: mehr als 150.000 Haushalte mit ununterbrochener Notfallhilfe zu versorgen. Dazu gehören Nahrungsmittel, Gesundheitsdienste, Wasser, sanitäre Einrichtungen und Hygiene – und das in schwer zugänglichen, an Kriegsfronten angrenzenden Gebieten, die unter lang anhaltenden, von Menschen verursachten Katastrophen leiden. Ich tue diese Arbeit gern und werde weiterhin mein Bestes tun, damit bedürftige Menschen in meinem Land Hilfe erhalten können.

Aufgezeichnet von Amal Mamoon.

erschienen in Ausgabe 10 / 2020: Idealismus und Karriere

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